Manfried Rauchensteiner: Waffentreue – Die 12. Isonzoschlacht 1917

Franz Felberbauer: Die 12. Isonzoschlacht: Der Operationsplan und seine Durchführung

Deutschland hatte Anfang 1917 erstmals reine „Jagdstaffeln“ aufgestellt und sie mit dem neuen einsitzigen Jäger „Albatros“ D.II1 ausgerüstet, der allen alliierten Jagdflugzeugen in Bezug auf Steigfähigkeit und Feuerkraft überlegen war. Schon beim ersten Angriff der deutschen Jagdstaffeln auf die täglich das Hinterland am Isonzo bombardierenden Caproni-Bomber wurden deren mehrere abgeschossen, die meisten drehten ab und für Wochen zeigten sich keine italienischen Flugzeuge über dem Aufmarschgebiet, wodurch nicht nur jede Aufklärungstätigkeit der Italiener verhindert werden, sondern auch die der deutschen und österreichischen Flieger voll einsetzen konnte.33 Das Angriffsgelände wurde systematisch fotografiert und neue Karten mit den eingezeichneten italienischen Stellungssystemen ausgearbeitet und an die Truppe ausgegeben.34 Dass es aus Zeitmangel nicht gelang, diese Aufklärungsflüge im Angriffsstreifen der Gruppe Krauß auf das Gebiet bis zum Tagliamento auszudehnen, sollte sich beim späteren Vormarsch als erheblicher Nachteil herausstellen,35 andererseits ergaben u.a. Reihenaufnahmen des Geländes am Tagliamento selbst, dass sich die Italiener dort nicht zur Verteidigung eingerichtet hatten und ein Vorstoß bis zum Piave realisierbar war. Ohne deutsche Beteiligung wären diese entscheidenden Vorbereitungen nicht möglich gewesen. Sie umfassten auch die Aufnahme der italienischen Artilleriestellungen für den Gasbeschuss am ersten Angriffstag. Den wohl entscheidendsten Beitrag des deutschen Verbündeten stellte seine Artillerie dar, und zwar nicht nur wegen der Zahl der aufmarschierenden mittleren und schweren Batterien, sondern im besonderem Maß durch eine neue Artillerietaktik: Die Entente hatte zuerst an der Westfront begonnen, durch tagelangen systematischen Beschuss eines begrenzten Frontabschnittes mit bis zu hundert Granaten pro laufendem Meter Front eine Mondlandschaft zu schaffen, die von einer hinter einer Feuerwalze vorgehenden Infanterie nur mehr „besetzt“ werden sollte. Die Engländer „trommelten“ im Juni 1916 sieben Tage und Nächte an der Somme (drei Millionen Granaten), die Franzosen 1917 an der Aisne zehn Tage und die Italiener bei begrenzten Angriffen an der Tiroler Front sechs bis sieben Tage, dann vor ihrem Infanterieangriff in der 10. Isonzoschlacht Kra f ft: Durchbruch am Isonzo I, S. 27. Die fotografierten italienischen Stellungen wurden in Karten 1:75.000 eingetragen. Beispiel: KA, NFA, 5.Armee Kt 975, HG Boroevic. K. u. k. Kriegsvermessung Nr. 5, Feldpost 383 gedruckt am 27 X.1917. Die österreichischen Luftstreitkräfte konnten der Gruppe Krauß erst ab 15. November 1917 eine Fliegerkompanie beistellen. Die Gruppe musste durch die Unterstellung deutscher Fliegerabteilungen verstärkt werden. Die zugeteilten Flieger trafen zu spät ein, um noch wirksame Aufklärungsarbeit zu leisten und die Gruppe erlitt beim Einsatz mehrmals Rückschläge durch falsche Kartenangaben infolge mangelnder Aufklärung. Die Fliegerkompanie 47 kam nie an, die Fliegerkompanie 56 befand sich am 1. November noch immer im „Anrollen“ und ebenso eine Artillerieflieger-Lehrkompanie. Die Anlage 23 von Österreich-Ungarns letzter Krieg, Bd. VI dürfte in diesem Punkt nicht korrekt sein. Sie weist für die Gruppe Krauß fünf Fliegerkompanien aus, die in den Originalakten im Kriegsarchiv nicht nachweisbar sind. Vgl. dazu: KA, NFA, AOK, Kriegsgliederungen, Karton 22. 22

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