Manfried Rauchensteiner: Waffentreue – Die 12. Isonzoschlacht 1917
Franz Felberbauer: Die 12. Isonzoschlacht: Der Operationsplan und seine Durchführung
Ein maßgeblicher deutscher Beitrag schon vor Beginn der eigentlichen Durchbruchsschlacht war der Einsatz größerer Flieger- und Flakverbände. Die Italiener hatten den Luftraum über dem Isonzogebiet seit Mitte 1916 völlig beherrscht.28 Italien hatte durch den Londoner Vertrag seit 1915 von der Entente die neuesten Jagdflugzeuge, meist französische Jäger „Nieuport 17“ erhalten, denen die österreichische Industrie nichts Gleichwertiges entgegen zu setzen hatte.29 Italienische dreimotorige Caproni-Bomber Ca2 griffen pausenlos Stellungen und Ruheräume der Österreicher an. Der Aufmarsch Der Aufmarsch der 14. Armee und des k. u. k. I. Korps musste daher ausnahmslos nachts erfolgen. Bei Tag hatten die Truppen gegen Fliegersicht in Deckung zu bleiben. Um die italienischen Luftstreitkräfte an der Aufklärung des Aufmarsches und an weiteren Bombenangriffen zu hindern und eine eigene Luftaufklärung möglich zu machen, wurden starke deutsche Flakverbände an die Isonzofront verlegt. Es handelte sich um sechs Flakzüge mit 3,7 cm Flak, neun Flakzüge mit 7,7 cm Flak und fünf 7,7 cm Flakzüge auf Lastwagen-Fahrgestellen, die weltweit ersten „Selbstfahrlafetten“. Im Vergleich dazu verfügten die acht österreichisch-ungarischen Angriffsdivisionen zusammen über nur acht (!) einzelne, unbespannte und daher unbewegliche 8 cm Flakgeschütze.30 Besonders erschwerend war, dass jede Aufklärung der anzugreifenden italienischen Frontabschnitte und des Hinterlandes durch österreichische Aufklärungsflugzeuge bis dahin wegen der italienischen Luftüberlegenheit unmöglich gewesen war. Die verstärkte Flak hinderte zwar die italienischen Flieger an der Aufklärung des Aufmarsches, ein nachhaltiger Aufklärungserfolg wurde aber erst durch die Verlegung von drei deutschen Jagdstaffeln31 und acht Fliegerabteilungen32 erzielt, denen noch ein Bombengeschwader folgte. abgegeben hatten, hätten die seit Jahren ausgebauten italienischen Stellungen durchbrechen müssen. Ihr Angriff erfolgte zuerst nur zur Ablenkung und wurde erst dann erfolgreich vorangetrieben, als die k. u. k. 1. Inf Div am linken Flügel der 14. Armee durch die italienische Front gebrochen war und die 3. italienische Armee in der Flanke bedrohte. 28 Die 16 österreichisch-ungarischen Fliegerkompanien (FLIK) verfugten am 15. Juli 1917 über 60 Aufklärungs- und 20 Kampfflugzeuge, denen die dreifache Zahl an italienischen Flugzeugen gegenüberstand. Vgl. dazu: Schöckl: Isonzofront 1917, S. 62-65 sowie 69. 29 Ab 1917 wurde das deutsche Jagdflugzeug Albatros Dill, in Wiener Neustadt in Lizenz gebaut. Mit stärkeren Austro-Daimler Motoren ausgerüstet, war es das erfolgreichste Jagdflugzeug Österreich- Ungams. Vgl. dazu: Keimei, Richard: Österreichs Luftfahrzeuge. Geschichte der Luftfahrt von den Anfängen bis Ende 1918. Graz 1981, S. 267. Die meisten diesbezüglichen Zahlen entstammen einer Auswertung der Krafft: Durchbruch am Isonzo I beiliegenden Kriegsgliederung der 14. Armee vom 24. Oktober 1917, S. 197-210 sowie den Neuen Feldakten im Kriegsarchiv KA, NFA, Kriegsgliederungen, Karton 22. 31 Jagdstaffeln 1, 31 und 39. 32 Fliegerabteilungen 2, 14, 17, 39, 232(A), 204(A), 219(A), Bomberabteilung 4. 21