Manfried Rauchensteiner: Waffentreue – Die 12. Isonzoschlacht 1917
Manfried Rauchensteiner: Einleitung
auszubreiten begonnen, gab es keine Kartoffeln und keine Kohle.14 Auch daran ist die Erinnerung geschwunden. Geblieben sind etliche Auszeichnungen, die nach der 12. Isonzoschlacht und in Anerkennung der Verdienste der beteiligten Offiziere und Soldaten vergeben wurden. Vielleicht hatte man sich sogar mehr erwartet, denn abgesehen von Feldmarschallleutnant Josef Metzger, der aber wohl auch wegen früherer Verdienste das Ritterkreuz des Militär-Maria-Theresien-Ordens erhielt, waren es nur zwei Subalternoffiziere, Oberleutnant Florian Freiherr Passetti von Friedenburg und Leutnant Árpád Bertalan, welche die begehrteste militärische Auszeichnung des alten Österreich erhielten - drei von rund 120 Besitzern des Ordens, denen die Auszeichnung noch während oder nach dem Krieg zuerkannt wurde. Pasetti hatte mit dem Schützenregiment 26 den Piave überwunden und sich anschließend bei den Kämpfen am Monte Tómba hervorgetan; Bertalan wurde für die Einnahme von Santa Luzia mit Einheiten der 7. Gebirgsbrigade ausgezeichnet. Merkwürdigerweise erhielt kein einziger deutscher Offizier den Orden. Ob darin etwas seinen Ausdruck finden sollte, das auch anderswo für Kopfschütteln sorgte, nämlich eine gewisse Missgunst gegenüber dem deutschen Verbündeten, ist schwer zu beurteilen. Doch der Entwurf des Armeebefehls, mit dem der Sieg in der Schlacht verlautbart und den Truppen gedankt werden sollte und in dem sich zunächst keine Erwähnung der deutschen Offiziere und Soldaten fand, sprach Bände. Ursprünglich sollte es der Intention des k. u. k. Armeeoberkommandos folgend heißen: „Dank an alle, alle, alle“, ohne die Deutschen zu erwähnen. Erst auf Intervention des Majors i.G. Edmund Glaise von Horstenau soll dann eine weniger subtile und wohl auch ehrlichere Formulierung gefunden worden sein.15 Doch natürlich gab es Leopoldsorden, Tapferkeitsmedaillen, Kriegsdekorationen, ehrende Erwähnungen und andere Kriegsauszeichnungen. Bis vor wenigen Jahren wurde den letzten Tapferkeitsmedaillenbesitzem noch ein Ehrensold gezahlt, rund fünfundachtzig Jahre nachdem sie sich durch besondere Tapferkeit nicht zuletzt in der 12. Isonzoschlacht hervorgetan hatten. - Die Zeit ist auch darüber hinweggeschritten. Am 7. Dezember 1917 erklärten die USA Österreich-Ungarn den Krieg und begründeten diesen Schritt mit dem Einsatz deutscher Truppen am Isonzo und der selbstverständlichen Verpflichtung, Italien beistehen zu müssen. In einer Kongressbotschaft hatte Präsident Woodrow Wilson drei Tage zuvor gemeint: „Österreich-Ungarn ist zur Zeit nicht Herr seiner selbst, sondern ganz einfach ein Vasall der deutschen Regierung“. In der Euphorie des Sieges maß man in Österreich-Ungarn der amerikanischen Kriegserklärung jedoch keine nennenswerte Bedeutung bei. Die Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk schienen außerdem 14 Rauchensteiner, Manfried: Der Tod des Doppeladlers. Österreich-Ungarn und der Erste Weltkrieg. Graz-Wien-Köln 2. Aufl. 1994, S. 509. Broucek, Peter: Ein General im Zwielicht. Die Erinnerungen Edmund Glaises von Horstenau, Wien-Köln-Graz 1980, Bd. 1, S. 436 f. 10