Manfried Rauchensteiner: Waffentreue – Die 12. Isonzoschlacht 1917

Manfried Rauchensteiner: Einleitung

dem Heeresgruppenkommando Boroevic unterstellt. Deutsche und Österreicher teilten sich auch die Beute. Quoten wurden festgelegt. Es gab Streitigkeiten unter den siegreichen Verbündeten. Wieder Karl Kraus (5. Akt, 5. Szene): Ja, die Deutschen! ... Praktisch san’s, das muss ihnen der Neid lassen. Beuteoffizier’ ham s’, da is alles organisiert, unsereins muss sich alles kleinweis zusammenklauben ... I hab heut drei Teppiche, 30 Kilo Reis, bissl a Fleisch, zwa Säck Kaffee und paar Bilder requiriert, schön gmalen, wie nach der Natur! ... I hab heut ein Grammophon, 20 Kilo Makkaroni, 5 Kilo Käs, zwa Dutzend Sardinenbüchsen und paar Bildln, in Öl! Servus. Doch die Bevölkerung fugte sich - wie der Chef der Verwaltungsabteilung der Heeresgruppe Boroevic, Hermann Leidl, dann schrieb - „würdevoll“. Sie fügte sich „willig und entgegenkommend“ in das Unvermeidliche. Und zweifellos litt sie unter den Requisitionen. Österreich verlangte auch Abgaben und Zölle. Und da Österreich immer ein ordentliches Land war, wurde über alles streng Buch geführt. Nur bei dem, was an Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs erbeutet wurde, blieben die österreichischen Militärbehörden seltsam unpräzise. Es reichte, wie dann Hermann Leidl schrieb, um nicht nur die „Armeen während der Operationen und noch geraume Zeit nachher“ zu versorgen, sondern auch, „um erhebliche Mengen nach Österreich-Ungarn und Deutschland“ abzugeben.12 In der Folge wurde die Versorgung der ansässigen Bevölkerung an die österreichischen Normen angeglichen und sank rapide ab. Genauer schon waren die Angaben, als es darum ging stolz zu melden: Erbeutet wurden 300 Waggonladungen technisches Material, 7.000 Train- und Spezialfuhrwerke, 900 Waggonladungen Montur- und Ausrüstungssorten, 100 Waggonladungen Sanitätsmaterial, usw.13 - Heute ist auch das vergessen. Ebenso wie die Kehrseite des österreichischen Erfolgs in der 12. Isonzoschlacht. Von September 1917 an waren alle verfügbaren Lokomotiven und Waggons der Habsburgermonarchie zusammengezogen worden, um den Aufmarsch der Offensivtruppen sicherzustellen und durchzuführen. Auch deutsche Lokomotiven zogen mit. Das alles war freilich so gedacht und geplant gewesen, dass alles rollende Material wieder bald verfügbar werden würde, denn es galt ja auch, die Versorgung des Hinterlandes sicherzustellen. Dann aber wurden die Waggons und Lokomotiven weit länger gebraucht, um weiterhin Kriegsmaterial und Truppen zu transportieren. Und die Entfernungen wurden immer länger, der Fuhrpark immer kaputter. Und als die Züge dann wieder im Hinterland verkehrten und nicht nur militärisch wichtige Transporte durchführten, da hatte sich der Hunger schon 12 Leidl, Hermann: Die Verwaltung der besetzten Gebiete Italiens (November 1917 bis Oktober 1918). In: Kerchnawe, Hugo (Hrsg.): Die Militärverwaltung in den von den österreichisch­ungarischen Truppen besetzten Gebieten Wien-New Haven 1928 (Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Weltkrieges. Österreichisch-ungarische Serie), S. 318-358, hier S. 348. 13 Leidl: Die Verwaltung der besetzten Gebiete, S. 351. 9

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