Historische Momente polnisch-österreichischer Beziehungen vom 14. – 20. Jh.

Jerzy Gaul, Warschau: Zur Geschichte der Beziehungen zwischen Polen und Österreich vom 14.-20. Jahrhundert

der dem Wunsch der österreichischen Behörden zuzuschreiben war, die militärische Position Galiziens an der Grenze mit Russland zu stärken. Diesem Ziel dienten der Ausbau des Eisenbahnnetzes und der Festungen Krakau und Przemysl. Das Erreichen der Autonomie bedeutete für die Polen die Möglichkeit zu lebhaften politischen Aktivitäten. Das politische Leben Galiziens stand nach der Niederlage des Aufstandes vom Januar 1863 unter dem Einfluss der Konservativen („Stariczycy”). Diese besetzten in den Jahren 1870-1880 die höchsten Ämter und bestimmten die allgemeine Richtung der galizischen Politik, die im Zeichen der österreichisch-polnischen Annäherung und der Bejahung der bestehenden sozialen Ordnung stand. Während des Besuches des Kaisers in Galizien im September 1880, knüpfte der Landmarshall Ludwik Wodzicki in seiner Rede an die berühmte Denkschrift des galizischen Landtages vom 10. Dezember 1866 an und betonte, dass die Polen unerschütterlich bei dem Monarchen stehen würden, „wievielmal das das Gut oder die Ehre Ihrer Ehrwürdigsten Persönlichkeit, der Dynastie oder des Staates fordern wird“. Am Ende des 19. Jahrhunderts wurden die elitären politischen Parteien in Galizien mit der politischen - volksnahen, nationalistischen und sozialistischen - Massenbewegung breiter Schichten konfrontiert. 1892 entstand die Polnische Sozialdemokratische Partei Galiziens und Österreichisch-Schlesiens. In den 90-er Jahren kam es zur Entstehung der Volksparteien (Bauernpartei, Christliche Volkspartei, Volkspartei). Der Druck der Massenparteien verursachte jene Reformen 13

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