Historische Momente polnisch-österreichischer Beziehungen vom 14. – 20. Jh.
Jerzy Gaul, Warschau: Zur Geschichte der Beziehungen zwischen Polen und Österreich vom 14.-20. Jahrhundert
die Zeitschriften „Wissenschaftliche und Literarische Anleitung” (1873), „Falke” (1881) „Museum” (1885) i „Eos” (1893) ins Leben gerufen. Die Schulpolitik in Galizien trug zur Reorganisation des Agrar-, Fach- und Mittelschulwesens bei. Galizien mit seiner politischen Autonomie und den polnischen Schulen, mit seinen Einflüssen auf die Staatsverwaltung der Monarchie und auf die österreichische Politik war für viele Polen wie das Großherzogtum Warschau zu Beginn des 19. Jahrhunderts, ein Zentrum großer Hoffnungen und das Symbol ihrer Realisierung. Als Konsequenz der Veränderungen auf den Gebieten der Wissenschaft, des Unterrichts und der Kultur wurden Krakau und Galizien das Zentrum des Polentums und das „polnische Piemont“ genannt. Über den blühenden politischen Fortschritt und die Entwicklung von Kunst und Kultur legte sich allerdings der Schatten der schlechten materiellen Verhältnisse. Die wirtschaftliche Lage im österreichischen Teilungsgebiet war nicht gut und wurde von dem polnischen Demokraten Stanislaus Szczepanowski als „galizischen Armut“ bezeichnet. Dieser Umstand resultierte aus der Politik Österreichs, Galizien primär als einen Absatzmarkt für die industrialisierten Gebiete Österreichs, Böhmens und Mährens zu betrachten; sowie aus dem Verfall der Landesindustrie, der primitiven Landwirtschaft und schlechten agrarischen Struktur (enormer Großgrundbesitz auf der einen und Zwergwirtschaften auf der anderen Seite). Dazu kam das niedrige Wissensniveau, besonders auf dem Lande. 1880 konnten nur ca. 14 Prozent der Bevölkerung Galiziens lesen und schreiben, 1910 waren es gerade die Hälfte. In den 80-ziger Jahren kam es jedoch zu einem allmählichen wirtschaftlichen Aufschwung, 12