1705 – Was vor 300 Jahren geschah…

6. Wirtschaft und Finanzen

Nach dem Sieg bei Höchstädt (1704) sollte Bayern, das zu vier Fünfteln von den Kaiserlichen besetzt war, fiskalisch zum Ausgleich der zerrütteten österreichischen Staatsfinanzen herangezogen werden. Dem ohnehin schon verwüsteten Land wurden drückende Abgaben und Truppeneinquartierungen auferlegt. Darüber hinaus kam es insbesondere aufgrund der auf Wunsch Prinz Eugens um jeden Preis durchzuführenden Zwangsrekrutierungen für die Armee in Italien schließlich im November 1705 zu einem Aufstand der bäuerlichen Bevölkerung. Das vorliegende Patent für das Hausruckviertel, das von den Kanzeln verlesen und an den Kirchentüren angeschlagen werden sollte, versichert, dass von der dortigen Bevölkerung keine zusätzlichen Abgaben eingefordert würden. Weiters enthält es eine Warnung davor, sich dem - durch seine raschen Erfolge auch für Österreich äußerst gefährlichen - Aufstand anzuschließen. Nr. 88 Einträge zum Jahr 1705 im Tagebuch des Ludwig Andreas Graf Khevenhüller Signatur: Familienarchiv Khevenhüller 162, Tagebuch Ludwig Khevenhüller 1702-1719, Premier livre de remarques 1702-1710, S. 55f. Papier, eh. Ludwig Andreas Khevenhüller (1683-1744) kämpfte an der Seite des Prinzen Eugen bei Peterwardein und Belgrad und in Italien. 1737 wurde er zum Feldmarschall, 1741 zum Oberbefehlshaber der österreichischen Armee ernannt. In seinem in französischer Sprache geführten Tagebuch finden sich zu 1705 Einträge zum Tod Kaiser Leopolds, der Wahl Karls zum Kaiser, der Einnahme der Festung Huy in Belgien, der Eroberung Lüttichs durch die Franzosen, dem Feldzug des Prinzen Eugen in die Lombardei sowie zu den Auseinandersetzungen um die Anerkennung des von Karl XII. von Schweden anstelle Augusts von Sachsen eingesetzten neuen Königs Stanislaus Leszczinski in Polen. István Fazekas/Gerhard Gonsa 5. Wirtschaft und Finanzen Das 17. und 18. Jahrhundert ist das Zeitalter der Türkenkriege und der großen Erb- 'olgekriege; große Heere mussten aufgestellt, ausgerüstet und unterhalten werden. Die Wirtschaftsform, die dies gewährleisten sollte, ist der Merkantilismus (im ieutschsprachigen Raum auch Cameralismus genannt), wonach durch Forcierung

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