1705 – Was vor 300 Jahren geschah…
Zum Geleit
Zum Geleit Das heurige Jahr wird im Zeichen der Erinnerung an den Österreichischen Slaatsvertrag stehen, dessen Abschluss vor fünfzig Jahren zu Recht als eines der bedeutendsten Ereignisse der Zweiten Republik gilt; auch das Österreichische Staatsarchiv wird sich mit einer Ausstellung an den Veranstaltungen zu diesem Jubiläum beteiligen. Trotzdem darf auch bei dieser Gelegenheit daran erinnert werden, dass historisches Gedächtnis weit tiefer in die Vergangenheit zurückgreifen muss und historische Entwicklungen sich über einen langen Zeitraum erstrecken können, was Historiker wie Fernand Braudel mit dem Begriff der “longue durée“ zum Ausdruck gebracht haben. Das Österreichische Staatsarchiv hat es daher nicht für unangebracht gehalten, im Vorfeld des Staatsvertragsjubiläums in einer von der Abteilung Haus-, Hof- und Staatsarchiv gestalteten Ausstellung zum Jahr 1705 den Blick auf eine weiter zurückliegende Vergangenheit zu richten, die zwar autódén ersten Blick keinen unmittelbar ersichtlichen Bezug zu unserer eigenen Gegenwart besitzt, ohne deren Kenntnis aber vieles an der späteren Entwicklung nicht verständlich wäre. pie Auswirkungen der Kriege, die 1705 in Europa und teilweise auch in Übersee Í eführt wurden, haben die politischen Verhältnisse weltweit für eineinhalb is zwei Jahrhunderte bestimmt. Sie markierten das Vordringen Russlands ins altikum und damit eine Stoßrichtung zur europäischen Mitte, den Aufstieg der fabsburgermonarchie zur europäischen Großmacht und einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Entwicklung des Britischen Empire. Vordergründig betrachtet st das meiste davon nach den zwei Weltkriegen des 20. Jahrhunderts heute nur Jroch Geschichte, wenn man von der noch andauernden, auf den Spanischen Erbfolgekrieg zurückgehenden britischen Präsenz in Gibraltar absieht. Die im Nordischen Krieg von Russland erkämpfte Position im Baltikum wurde durch den Zerfall der Sowjetunion weitgehend rückgängig gemacht, der Vielvölkerstaat der Habsburgermonarchie ist an seinen Nationalitätenproblemen und an der Niederlage des Ersten Weltkriegs gescheitert. Indirekt haben die Ereignisse der Zeit um 1705 jedoch viele Entwicklungen Späterer Zeiten bis hin zu unserer Gegenwart beeinflusst. Maria Theresia als Figur Üer europäischen Geschichte, die für Österreich, Ungarn und Tschechien ebenso Von Bedeutung ist wie für Oberitalien oder Belgien, wäre ohne das Ergebnis des Spanischen Erbfolgekriegs ebenso wenig möglich geworden wie die Dominanz des Englischen als erster Weltverkehrssprache. Die lange Regierung Leopolds I. stellt in mehrfacher Hinsicht eine Vorstufe auf dem Weg zu den Verwaltungsreformen