700 Jahre Schweiz
II. Von der Habsburg nach Österreich
Schaffhausen, Appenzell, Stift und Stadt St. Gallen in Baden/Aargau, um die ordnungsgemäße Übernahme von 2025 Gulden „Erbeinigung gelt“ zu bestätigen, die der „regierende Herr und Landesfürst des löblichen Hauses Österreich“, Kaiser Ferdinand L, überbringen ließ. Seine Nennung als Chef des Hauses Österreich betont, daß es sich hier nicht um eine Leistung des Kaisers im Namen des Heiligen Römischen Reiches handelt, Ziel und Zweck ist die Aufrechterhaltung des gutnachbarlichen Verhältnisses mit den habsburgischen Erblanden. Die Summe ergibt sich aus je 150 Gulden für jeden Ort der Eidgenossenschaft und je 75 Gulden für Appenzell, Stift und Stadt St. Gallen. Gegenüber der Verpflichtung Maximilians I. (siehe n. 14) fällt auf, daß die „Verehrung“ um ein Viertel gekürzt ist: 1511 hieß es, daß je 200 und je 100 Gulden zugestanden würden. Angesichts der hohen Beträge, die Frankreich das Wohlwollen der Eidgenossen wert war - 1516 waren es für jeden Ort 2000 Franken, die 1521 auf 3000 Franken erhöht wurden -, kann man das habsburgische Jahresgeld nur als symbolische Geste ansehen. Die Besiegelung durch den Landvogt des Ausstellungsortes ersparte die aufwendige Anbringung der Siegel aller Zahlungsempfänger. Lit.: Handbuch der Schweizer Geschichte 1 (2. Auflage Zürich 1980) S. 428 f. Th 16 Bündnis Kaiser Maximilians L, König Ferdinands von Aragon, Herzog Massimiliano Sforzas von Mailand und der Eidgenossen gegen Frankreich 1515 Februar 8, Zürich Or. Pergament, 20 Siegel; 78 cm x 42 cm HHStA Allgemeine Urkundenreihe 1515 Februar 8 Unser Exponat stellt eines der prachtvollsten Beispiele spätmittelalterlicher Urkundentechnik dar. Sollten die vielen ästhetischen Details von der feinverzierten Initiale über die perfekte Siegelschneidekunst fast aller Siegler bis hin zu den leuchtend bunten Siegelschnüren die Feierlichkeit des Dokuments unterstreichen, dessen Kurzlebigkeit den Beteiligten selbstverständlich nicht bewußt war? Der überwältigende Eindruck ändert sich nicht, wenn man auf die Alterungsspuren aufmerksam macht. Die Ursache für das Verblassen der Schrift im linken Mittelteil wird sich erst durch eine eingehende Untersuchung der Restaurierchemie feststellen lassen - die Forschung ist dadurch nicht behindert, da der Text nach dem Zürcher Gegenstück längst gedruckt ist -, und die kleine Verletzung des kaiserlichen Siegelbildes stört kaum die Gesamtwirkung. Erstaunlich ist hingegen, daß das herzoglich mailändische Schlangensiegel direkt auf die rautenförmig vorgeritzte Bodenfläche der Schale gedrückt wurde. Offensichtlich war kein 28