700 Jahre Schweiz

II. Von der Habsburg nach Österreich

namengebende Burg auf Schweizer Boden nicht identisch ist mit einer Herkunftsbezeichnung. Die Habsburger sind zunächst im Oberelsaß faßbar - am zutreffendsten spricht man von ihnen als Schwaben im Sinne des hochmittelalterlichen Herzogtums - und sind nicht das einzige Adelsge­schlecht, das bei wachsender machtpolitischer und sozialer Stellung seinen Namen ändert (im übrigen gelten im neuerworbenen Österreich ihre Gefolgsleute durchwegs als „Schwaben“). Sie sind maßgebende Dynasten im Südwesten des Römisch-deutschen Reiches, bis ihnen die Wahl Rudolfs zum König (1273) ungeahnte Möglichkeiten der Erweiterung ihres Machtbereiches eröffnet. Mit dem Sieg über König Ottokar II. von Böhmen, der nach dem Aussterben der Babenberger Herzoge deren Länder ein Vierteljahrhundert beherrschte, ist König Rudolf I. berechtigt, ja verpflichtet, „erledigtes“ Reichslehen neu zu vergeben. Daß er diese Belehnung im Dezember 1282, für die Nachwelt in Form einer mit Gold gesiegelten Urkunde festgehalten, an seinen beiden Söhnen vomimmt, hat wohl die Zustimmung der Kurfürsten, stößt aber auf die Ablehnung durch die österreichischen und steirischen Landherren, die eine Änderung zugunsten eines Herrschers, des ältesten Sohnes Albrecht I., durchsetzen (n. 7). Die Eingewöhnung geht nicht ohne Härten ab, und den verhaßten Schwaben wird die Ausbeutung des Landes vorgeworfen. Um die Jahrhundertwende läßt sich ein allmähliches Absinken der Ressentiments gegen die Fremdlinge beobachten. Erst die nächste Generation eines Friedrich des Schönen, des im Kampf um die Königswürde Ludwig dem Bayern unterlegenen Herzogs, ist im Lande verwurzelt. Gerade im Zusammenhang mit den Versuchen, wegen der Doppelwahl die Position Habsburgs in den Vorlanden militärisch zu stärken, was 1315 bei Morgarten scheiterte, verwendet der österreichische Chronist den Namen „Schwyzer“ für die freien, genossenschaftlich organisierten „com- montani“. Und in der Mitte des 14. Jahrhunderts, als Rapperswyl von den Zürchem eingenommen wird (n. 18), konkretisiert sich der Begriff Schweiz auf die „provincia que dicitur Sweintz“, die sich von „Swevia“ und den Vorlanden („superiores partes“) absetzt. Die Verankerung einer fürstlichen Familie in dem von ihr beherrschten Territorium manifestiert sich nicht zuletzt in der Wahl der Begräbnisstätte. In Königsfelden/Aargau liegen frühe Habsburger, die im Westen der Besitzungen tätig waren (n. 19b), während die Herzoge Friedrich der Schöne und sein Bruder Albrecht II. in niederösterreichischen Karthausen bestattet sind. Eigentümlich scheint uns heute der zähe Behauptungswille für die ursprünglichen Herrschaften. Im Osten des Reiches fielen mit einem Schlag große geschlossene Territorien an die Herzoge, die zusätzlich Kärnten und Tirol erwerben können, und gleichzeitig wird hartnäckig trotz dauernder Rückschläge wie den Schlachten von Sempach 1386 (n. 8) und Näfels 1388 der Streubesitz zu erhalten gesucht (vgl. n. 10). Vielleicht ist dies ein Zeichen ihrer Beunruhigung, an die stets gefährdete Grenze des Reiches abgedrängt zu werden. Die historische Forschung vermutet jedenfalls als Leitlinie für das 15

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