Architektur zwischen Kunst und Bürokratie - 125 Jahre Ringstraße
2. Andreas Cornaro, Der Stadtpark
Inzwischen war aber mit kaiserlicher Entschließung vom 9. April 1861 (Kat. Nr. 2/1) auch das Glacisgelände zwischen der Wien und dem Münzamt samt anliegenden Häusern von der Waaggasse bis zur Ungargasse zur Vergrößerung des Stadtparks in das Eigentum der Gemeinde übertragen worden. Für die Anlage dieses neuen Stadtparkteiles am rechten Ufer wurde allerdings nicht wieder Seileny bemüht, sondern nach einem vom Stadtgärtner Siebeck ausgearbeiteten Entwurf die Arbeiten im Laufe des Jahres 1863 durchgeführt. Vorher hatte allerdings auch die alte Lastenstraße umgelegt werden müssen, die das für die Parkerweiterung bestimmte Glacisareal auf ihrem Weg zur Stubenbrücke schräg durchschnitten hatte. Sie wurde nun entlang der Münzamtfassade geradeaus bis zur Ungarbrücke und von da an in der charakteristischen doppelten Krümmung an das Ufer des Wienflusses geführt, dem sie dann weiterhin folgt. Der anschließende Grund zwischen dieser Krümmung und der Landstraßer Hauptstraße war 1862 der Gemeinde zur Errichtung der 1865 vollendeten Zentralmarkthalle überlassen worden, wegen des Widerstrebens des Finanzministeriums, das dieses Gelände für eine eventuelle Vergrößerung des Hauptzollamtes zu reservieren wünschte, allerdings nur gegen Eigentumsvorbehalt des Stadterweiterungsfonds. Dieser verpflichtete sich jedoch Rückstellungsforderungen frühestens erst 10 Jahre nach Vollendung der Markhalle zu erheben. 1872 wurde schließlich im Zusammenhang mit einem allgemeinen Abkommen über Markhallengründe auf dieses Areal staatlicherseits endgültig verzichtet und somit der Fortbestand der Zentralmarkthalle gesichert, die erst im 20. Jahrhundert dem Hiltonhotel weichen mußte. Die Gemeinde war mit der 1861 erfolgten Erweiterung ihres Parkes auf das rechte Wienufer nicht zufrieden, sondern erstrebte weiterhin eine Ausdehnung entlang der Ringstraße in Richtung Mondscheinbrücke. Dieses Streben wurde nun überdies mit dem Problem des Rathausbauplatzes gekoppelt. Im Grundplan war nämlich der Bau des neuen Rathauses am Schottenring in der Gegend der heutigen Börse vorgesehen. Die Gemeinde war aber mit dem ihr dort unentgeltlich zur Verfügung gestellten Bauplatz wegen dessen durch das ehemalige Festungsgelände bedingten Fundamentierungsschwierigkeiten nicht zufrieden. Vom Stadterweiterungsfonds wurden ihr daher stattdessen die 1860 südlich der Johannesgasse neugebildeten Baugruppen angeboten. Es wäre dann ein Rathaus zwischen Ring und Wienfluß mit der Fassade gegenüber dem Stadtparkende entstanden, das eine Barriere gegen eine weitere Ausdehnung des Parkes gegen Süden gebildet hätte. Die Gemeinde nahm aber dieses Danaergeschenk nicht an. Vielmehr ersuchte Bürgermeister Andreas Zelinka im Sommer 1862 in einem Schreiben an Minister Lasser einerseits für das Rathaus um die auf der Innenseite der Ringstraße den Raum zwischen Weihburggasse und Johannesgasse umfassenden wertvollen Bauplätze III und IV, andererseits auch um die Verlängerung des Stadtparks in Richtung Mondscheinbrücke. Zelinka wünschte also ein mit der Front an der Ringstraße gelegenes Rathaus, dem eine sich weit nach Norden und Süden erstreckende städtische Grünanlage gegenüberliegen sollte. In der darüber abgehaltenen Sitzung der Stadterweiterungs23