Architektur zwischen Kunst und Bürokratie - 125 Jahre Ringstraße

2. Andreas Cornaro, Der Stadtpark

kommission erklärte Matzinger als Vertreter des Stadterweiterungsfonds, daß derart exorbitante Wünsche nur gegen entsprechende Kompensationen ge­währt werden könnten, wie der Verzicht der Stadt auf die ihr vom Fonds zustehenden Beiträge zu den Kosten der Straßenanlagen, was natürlich heftige Opposition des Vertreters der Gemeinde zur Folge hatte. Weitere Verhandlungen führten schließlich wieder zu einem Kompromiß, der von Lasser am 12. Dezember 1863 dem Kaiser vorgelegt (Kat. Nr. 2/3), von diesem mit Entschließung vom 20. Dezember gebilligt wurde. Die Gemeinde tauschte demnach den Bauplatz am Schottenring gegen die Baugründe III und IV, erlegte dafür die Hälfte der auf 600.000 fl geschätzten Wertdifferenz und verzichtete auf die in der Verlängerung des Parkes jenseits der Johannesgasse gelegenen Parzellen. Wenn somit Ende 1863 der Umfang des Stadtparkes endgültig festgelegt war, war das mit der Lage des Rathauses auf den Baugründen III und IV keinswegs der Fall. Der Beginn des Baues verzögerte sich von Jahr zu Jahr, sodaß der Bauplatz, dessen Nachbarparzellen längst verbaut waren, im Volks­mund die Bezeichnung „Kommunalloch“ erhielt. 1870 gelang es dann dem Bürgermeister Dr. Cajetan Felder das noch unverbaute Kommunalloch ohne weitere Aufzahlung für ein größeres und günstigeres Areal auf dem inzwischen aufgelassenen Paradeplatz zu tauschen, auf dem dann das neue Rathaus 1872-83 tatsächlich errichtet wurde. Schon bei der Anlage des Stadtparkes war dort die Errichtung eines Gebäu­des geplant, für das nach der alten Mineralwasserhalle auf dem Wasserglacis der Name Kursalon gewählt wurde. Es sollte außer einem Kaffeehaus und einer Trinkhalle auch einen für Repräsentationszwecke der Gemeinde zu verwen­denden Saal haben, da mit dem Bau des neuen Rathauses damals noch lange nicht zu rechnen war. Die dafür ausgeschriebene Architektenkonkurrenz hatte eine Wiederholung der Vorgänge bei der Anlegung des Parkes zur Folge. Die Jury unter dem Vorsitz von Sicardsburg hatte 1863 den ersten Preis dem später so bekannten Architekten Otto Wagner zuerkannt. Im Gemeinderat erhob sich aber eine heftige Opposition gegen das als zu ernst und schwer für ein Gartenhaus empfundene Projekt Wagners, die schließlich durchsetzte, daß das zierliche Projekt von Johann Garben (Kat. Nr. 2/2) zur Ausführung bestimmt wurde. Infolge wiederholter weiterer Differenzen im Gemeinderat wegen der Kosten konnte Garbens Bau aber erst 1867 fertiggestellt werden. Die ah. Entschließung vom 7. November 1860 sollte beispielgebend für die weitere Entwicklung des Gartenwesens im Ringstraßenbereich werden. Das damals erst neu geschaffene Stadtgartenamt bekam bald genug zu tun, denn im Laufe der nächsten Jahrzehnte wurden noch zahlreiche weitere Gründe mit der Widmung zu Grünanlagen der Gemeinde kostenlos übertragen, darunter gro­teskerweise mit dem Beethovenplatz auch eine der seinerzeit so umstrittenen Baugründe südlich der Johannesgasse. Freilich besteht zwischen den Anlagen ein merklicher Unterschied. Während der aus dem Wasserglacis entstandene, als großer englischer Garten angelegte Stadtpark selbst das Hauptobjekt bildet, in das der Kursalon nur als Zusatz hineinkomponiert ist, sind die 24

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