Architektur zwischen Kunst und Bürokratie - 125 Jahre Ringstraße

2. Andreas Cornaro, Der Stadtpark

Im Zug der Auseinandersetzungen des folgenden Jahres zwischen der die staatlichen Interessen vertretenen Stadterweiterungskommission und der Ge­meinde Wien erbot sich letztere das Wasserglacis zu einer Parkanlage auszuge­stalten, „wenn ihr der Grund ins Eigenthum abgetreten und sonach die Besorg­nis beseitigt wird, daß derselbe seinerzeit einer anderen Verwendung zugeführt werden könne“. Allerdings wollte die Gemeinde sich nicht mit dem im Grund­plan vorgesehenen Parkareal begnügen, sondern dieses bis zu der den Wienfluß vor dem Schwarzenbergpalais überquerenden Mondscheinbrücke verlängern. Als Kompromiß kam es zu einer Korrektur des Grundplanes: die Weihburggas­se sollte nicht bis an das Ufer des Wienflusses, sondern nur bis an die Ringstraße verlängert werden, die südliche Begrenzung des Parkes daher erst die verlängerte Johannesgasse bilden, die auf einer zu erbauenden Brücke die Wien überschreiten und somit die einzige Verbindung der Inneren Stadt mit dem 3. Bezirk zwischen Rennweg und Landstraßer Hauptstraße bilden sollte. Als Ersatz für die damit zu Parkgrund gewordenen Baugruppen sollten zwei südlich der Johannesgasse am Wienufer geplante kleine Parkanlagen und der Grund von zwei neben dem Stubentor vorgesehenen Markthallen zu verkäufli­chem Baugrund umgewidmet werden. Mit Entschließung vom 7. November 1860 übertrug Kaiser Franz Joseph den Raum zwischen Ringstraße und Wien­fluß in den vorhin geschilderten Grenzen in das Eigentum der Gemeinde „mit der Widmung zu einer Meiner Residenz zu Zierde gereichenden öffentlichen Gartenanlage“ unter der Bedingung - auch staatlicherseits wollte man verhü­ten, daß die Gemeinde den unentgeltlich erhaltenen Grund später zu anderen Zwecken verwendete — der Eintragung dieser Widmung ins Grundbuch. Alle bisher vom Publikum besuchten Grünanlagen waren im Besitz der Militärärars oder des Kaiserhauses gewesen. Die Stadt Wien selbst besaß keine öffentlichen Gartenanlagen, man hatte daher dort auch keine Erfahrung mit deren Anlage und Pflege. Auf eine vom Gemeinderat ausgeschriebene Konkur­renz waren im April 1861 drei Pläne von Gartenarchitekten eingereicht wor­den. Das Komitee für die Parkfrage entschied sich auf Rat des Direktors der Hofgärten für den Plan des Dr. Rudolf Siebeck, der auch als Stadtgärtner angestellt wurde, da die Stadt bisher über kein Personal für das Gartenwesen verfügte. Gemeinderat August Zang, der einflußreiche Besitzer der Zeitung „Presse“, war mit dem etwas dürftigen Plan Siebecks aber nicht einverstanden und entfesselte eine Kampagne zugunsten des Landschaftsmalers Joseph Selle- ny, der damals als Teilnehmer der Weltumseglung der „Novara“ in Wien großes Ansehen genoß. Zur Mitarbeit aufgefordert legte Seileny seine Skizzen eines reich gestalteten englischen Gartens dem Gemeinderat vor. Gegen sein Projekt aber erhob sich teils aus Feindschaft gegen seinen Gönner Zang, teils wegen der hohen Kosten Opposition, die während des ganzen Jahres zu heftigen Differenzen in den Zeitungen und im Gemeinderat führten. Schließlich wurde doch der Plan Seilenys mit verschiedenen Modifikationen angenommen und danach im Laufe des Jahres 1862 der Stadtparkteil am linken Wienufer angelegt. 22

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