Österreich im Nationalsozialismus – Dokumente zur Wirtschaft 1938-45
Gedanken zur Ausstellung
Durch Fortdauer des Krieges wurden Rohstoffe und Edelmetalle wie Gold, Kupfer, Zink oder Zinn knapp. In propagandistisch durchgestylten Aufrufen appellierten die Nationalsozialisten unaufhörlich an die Spargesinnung der Mitmenschen, die noch ernstlich an den "Endsieg" dachten oder einfach durch ihre Spende den Angehörigen an der Front zu helfen glaubten. In welchem Maß sich nicht-nationalsozialistische Kunst und Kultur den Anforderungen der Kriegswirtschaft unterzuordnen hatte, zeigt die Auflistung jener österreichischen Denkmäler aus Kupfer oder Bronze, die zu einer eventuellen Einschmelzung freigegeben wurden. Auch Rationierung und Bezugsscheinpflicht für Lebensmittel und andere Verbrauchsgüter waren wesentliche Instrumente, die ökonomischen Rahmenbedingungen für ein möglichst langes "Durchhalten" im Krieg zu schaffen. Die Nationalsozialisten verdanken ihren Aufstieg zu einem großen Teil den wirtschaftlich schlechten 30er Jahren und dem Unvermögen der demokratischen Parteien, der angespannten Situation Herr zu werden. Scharen von Arbeitslosen und Ausgesteuerten, die ohne Hoffnung auf eine baldige Besserung ihrer Lage waren, fühlten sich von jenem Mann angesprochen, der kurzfristig Arbeit und damit eine Sicherung ihrer Existenz versprach. Die Ideologie des Nationalsozialismus war jedoch eine Verschmelzung von Nationalismus und Antisemitismus. Der Sozialismus im Parteinamen bediente sich nur rein vordergründig und propagandistisch der Ideen, denen sich die breite Arbeiterschaft traditionell verpflichtet fühlte. Daß die großen Bauvorhaben, wie beispielsweise der Autobahnbau, vornehmlich strategische Bedeutung für den Feldherrn Adolf Hitler hatten und nicht einer sozialen Idee entsprangen, wurde für viele Betroffene erst nach dem Krieg offensichtlich. Dienstpflicht war das oberste Prinzip der nationalsozialistischen Ideologie. Die Errichtung von Arbeitslagern, die Verpflichtung in den Reichsarbeitsdienst und die Einberufung zur Deutschen Wehrmacht verfälschten nicht nur rein oberflächlich die Arbeitslosenstatistiken, sondern intensivierten den bedingungslosen Gehorsam der Bevölkerung gegenüber dem totalitären Regime. Es hat im vergangenenen Jahr mehrere Großausstellungen gegeben, die dem Gesamtphänomen "Nationalsozialismus in Österreich" auf der Spur waren. Eine Reihe von kleineren - aber deswegen nicht weniger informativen - Ausstellungen haben die Betrachtungsperspektive verengt und einzelne Facetten des National10