Österreich im Nationalsozialismus – Dokumente zur Wirtschaft 1938-45

Gedanken zur Ausstellung

sozialimus zum Inhalt ihrer Dokumentationen gemacht. Auch das Projektteam im Archiv der Republik, das bereits seit längerer Zeit mit Konzepten und Ideen für einen Beitrag zum Gedenken an diese Zeit beschäftigt war, mußte sich bescheiden und mit der Dokumentation eines Teilausschnittes begnügen. Die ernüchternde Erfahrung der Mitarbeiter, nicht alle Themenbereiche in einer einzigen Ausstel­lung ausleuchten zu können, hat die Idee entstehen lassen, den Ausstellungstitel so zu formulieren, daß in den nächsten Jahren andere Teilbereiche nationalsozia­listischer Herrschaft dokumentarisch dargestellt werden können. So sollen in der Folge weitere Fragestellungen im Zusammenhang mit Erziehung und Unterricht sowie Propaganda näher behandelt werden. Eine weitere Zielsetzung der Ausstellung war, den Themenbereich ausschließ­lich mit Materialien aus den Beständen des Archivs der Republik zu dokumentie­ren und der Öffentlichkeit ein Gefühl für die Vielfalt der Materialien zu vermit­teln, die in einem staatlichen Archiv verwahrt werden. Das Ausstellungsteam ist sich jedoch durchaus der Problematik einer Doku- mentenausstellung bewußt, die dem Besucher ein hohes Maß an Interpretations­freiheit läßt. Ob das Wehrstammbuch eines gefallenen Soldaten den Heldentod oder die Sinnlosigkeit jedes Menschenopfers eines Krieges dokumentiert, ist wohl von der individuellen Betrachtungsperspektive abhängig. Nicht Zeugnisse der Menschenvernichtung, sondern die fehlgeleiteten Mechanismen der Bürokra­tie, die dieses Leid zu rechtfertigen und mitzutragen halfen, stehen im Vorder­grund dieser Ausstellung. Mit dieser Gedenkveranstaltung stellt sich erstmals das 1984 neu gegründete Archiv der Republik vor, das mit der archivischen Betreuung sämtlicher Akten der Bundesverwaltung seit 1918 befaßt ist. Vielleicht kann diese Ausstellung dazu beitragen, in der Öffentlichkeit Verständnis und Akzeptanz für die Notwendigkeit von Archiven zu verstärken. Der Zugang und die Transparenz von Archiven spiegeln die jeweilige gesellschaftliche und demokratische Reife eines Staates wider. Die herkömmlichen öffentlichen Archive sind trotz tiefgreifender techno­logischer Veränderungen und veränderter Arbeitsmethodik bis auf weiteres immer noch das Gedächtnis der Staates und der Gesellschaft. Die Ausstellung ist demnach wesentlicher Teil eines neuen Konzeptes des Generaldirektors Hofrat Dr. Kurt Peball, die Leistungen des Österreichischen Staatsarchives und seiner Archive näher an die breite Öffentlichkeit zu rücken. li Dr. Manfred Fink Direktor des Archivs der Republik

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