Österreich im Nationalsozialismus – Dokumente zur Wirtschaft 1938-45
Gedanken zur Ausstellung
gegenüber ost- und südosteuropäischen Ländern. So wies Ministerpräsident Göring bereits am 5. April 1938 in der 26. Sitzung des Generalrates beim Beauftragten für den Vierjahresplan daraufhin, daß vom Land Österreich aus die wirtschaftliche Erfassung des Südostraumes, umfassend die Staaten Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien und Rumänien auszugehen hätte. Vorerst galt es jedoch, die organisatorischen Rahmenbedingungen zu schaffen, um die vorhandenen wirtschaftlichen Ressourcen Österreichs auszuschöpfen und den Erfordernissen der deutschen Rüstungsindustrie unterzuordnen. So wechselten Gold- und Devisenreserven im Gesamtwert von rund 428 Millionen Schilling den Besitzer. Nach einer sechswöchigen Übergangszeit, während der der Schilling noch gültiges Zahlungsmittel war, wurde am 25. April 1938 die Reichsmark einzig gültige Währung in Österreich. In seitenlangen Listen wurden sämtliche staatlichen Besitzungen geschätzt, darunter auch die Mobilien österreichischer Schlösser und Palais. Eine wesentliche Einnahmequelle für die Nationalsozialisten bedeutete die Verdrängung und Ausschaltung jüdischer Mitbürger aus der Wirtschaft. Da in den ersten Märztagen dem Regime durch wilde Arisierungen und persönliche Bereicherungen tausender Nationalsozialisten die Kontrolle über das jüdische Vermögen zu entgleiten drohte und Grundlagen für eine "legale Arisierung" gänzlich fehlten, wurde Ende April 1938 im Handelsministerium die Vermögensverkehrsstelle eingerichtet. Bei ihr hatten ab sofort sämtliche jüdischen Geschäftsleute und Betriebsinhaber auf der Grundlage des am 26. April 1938 in Kraft getretenen Gesetzes über die Anmeldung des Vermögens von Juden ihre Vermögenswerte anzumelden. Um die österreichischen Betriebe mit der deutschen Rüstungs wirtschaft gleichzuschalten, wurden in den beiden neu gebildeteten Wehrkreisen XVII (Wien) und XVIII (Salzburg) Wehrwirtschaftsinspektionen mit einem weitverzweigten Netz nachgeordneter Organisationen geschaffen, die regelmäßig an den Wehrwirtschaftsstab im Oberkommando der Wehrmacht (OKW) berichteten. Am 1. September 1939 inszenierte Adolf Hitler den Krieg gegen Polen und entfesselte somit den totalsten Krieg der Geschichte, bei dem mehr als 50 Millionen Menschen ihr Leben lassen mußten. Sämtliche wirtschaftlichen Anstrengungen konzentrierten sich ab diesem Zeitpunkt neben weiterer Intensivierung der Schwerindustrie vornehmlich auf die Herstellung wehrwirtschaftlich wichtiger Produkte. So wurden in Österreich ab 1940 vor allem die waffen- und kriegsgeräteproduzierenden Industrien (Steyr Daimler - Puch AG, Paukerwerke, Gustloffwerke) ausgebaut. 9