Prékopa Ágnes (szerk.): Ars Decorativa 29. (Budapest, 2013)

Balázs SEMSEY: Irreguläre Ornithologie. Angaben zur (Um)Gestaltung der Interpretation eines Motivs

Österreichischen Museums für Volkskun­de sowie in jener des Tiroler Volkskunst­museums in Innsbruck zu finden; beide entstanden wohl Anfang des 18. Jahrhun­derts in Tirol.11 In die Reihe dieser Kunst­werke passt auch der Schlitten des Buda- pester Kunstgewerbemuseums, obwohl der Charakter seines geschnitzten Schmucks und die Modellierung der Figuren etwas unterschiedlich sind. Darüber hinaus ist im Gegensatz zu den oben erwähnten auf un­serem Schlitten keine Spur von einer frühe­ren Bemalung zu entdecken. Der teilweise Verfall ist ein umso größerer Verlust, da zu jenem Zeitpunkt, als unser Schlitten ins Museum kam, seine ursprüngliche Form noch intakt gewesen ist - wohl als einzige der geschnittenen Schlitten mit ähnlichem Motiv. Diese Tatsache, sowie jene Unge­lenkigkeit (horribile dictu sein provinzieller Charakter), die in den originalen Details zu beobachten ist, und welche die Datierung des Gegenstandes etwas erschwert, lassen darauf schließen, dass der Schlitten - als spätere Nachempfindung eines früher be­liebten Gegenstandes - voll und ganz im 19. Jahrhundert verfertigt wurde. Uber die bisher erwähnten Beispiele hinaus ist die Reihe jener Denkmäler, auf denen das besprochene Vogel-Motiv auftaucht, sehr vielfältig. Ohne Anspruch auf Voll­ständigkeit sollen der Stuck des Weißen- Engel-FIauses in Quedlinburg (Sachsen- Anhalt) aus dem Jahre 1677, ein Tafelbild in der Sammlung des Volkskunstmuseums in Innsbruck, sowie eine gravierte Darstel­lung eines Aderlass-Schneppers im Volks­kundemuseum in Wien aus dem Jahr 1793 erwähnt werden.12 Es kam aber auch auf Hinterglasbildern, auf Majolika-Krügen und geschnitzten Lebkuchenmodeln vor.13 4. Zeichnung einer bemalten Holzdecke, 1621, Kirche zum Hl. Veit, Martinjuk, Slowenien (nach Cevc 1962) In der Verbreitung des Motivs spielten jene Augsburger Holzschnitte eine wichtige Rolle, die Ende des 17. bzw. während des 18. Jahrhunderts verfertigt worden waren, und die neben der allegorischen Darstel­lung gereimte, moralisierende Texte in eini­gen Versen als Erklärung präsentieren.14 Die Wirkung dieser in mehreren Varianten erhalten gebliebenen Kupferstiche reichte ganz bis nach Russland, wo die - in ihrem Stil den örtlichen kulturellen Traditionen folgend, mit russisch geschriebener, inhalt­lich jedoch dem deutschen Original ent­sprechender - Interpretation der Darstel­lung auf Holzschnitten des 18. Jahrhun­derts anzutreffen ist.15 In eigenartiger (und bis heute aktuell scheinender) Interpretation taucht der Vo­gel auf einem 1632 entstandenen deutschen Flugblatt - mit dem Titel Newe Jahr Avi­sen, In Jehan petagi Kramladen - auf, das die wichtigsten politischen Ereignisse der Jahre 1630/31 satirisch kommentiert. Auf der den umfangreichen Text begleitenden Illustration ist die Redaktion einer zeitge­44

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