Szilágyi András (szerk.): Ars Decorativa 26. (Budapest, 2008)

András SZILÁGYI: Vergänglichkeit, Treue, Tod. Kunstwerke mit allegorischen Darstellungen aus dem 17. Jahrhundert

Von unserem Gesichtspunkt aus verdienen vor allem jene Stücke besondere Aufmerk­samkeit, auf denen neben dem Totenkopf auch weitere Motive bzw. - an diesen Objek­ten sonst seltene - Inschriften vorkommen. Zu den einzigartigen Beispielen dieser Art gehören die Ringe, die Lancelot Andrews (1555-1626), Bischof von Winchester, in nicht weniger als zwanzig Exemplaren aus­führen ließ und an seine aristokratischen Zeitgenossen verschenkte. Zur Zeit ist aus dieser Folge ein einziges erhaltenes Stück bekannt (London, British Museum). Dieser trägt neben dem Monogramm des Bischofs und dem Totenkopf auf der Innenseite des Reifs folgende Inschrift, die an die vier letzten Dinge erinnert: „Memorare Novissima". 23 Besonders interessant sind für uns jene Ringe, an denen die erwähnten „zusätz­lichen" Motive dazu angetan sind, die Ideen der Liebe, der Zusammengehörigkeit der Ehegatten und der Treue herauf­zubeschwören. Daher wollen wir ein Stück aus dem 16. Jahrhundert in fachgemäßer und genauer Beschreibung in Augenschein nehmen: „The bezel of the gold ring is in theform of a skull, the convex hoop is chased with scrolls and terminates at shoulders engraved with volutes and cartouches in relief. A small bezel at the base of the hoop is in the form of two clasped hands, symbol oi mutual trust of Fede with traces of white enamel." 24 Ein weiterer Ring mit einzigartig reicher Dekoration (deutsche Arbeit aus dem 16. Jahrhundert, in der Sammlung des British Museum) erhält von unserem Gesichts­punkt aus dadurch besondere Bedeutung, dass sich daran neben den bereits wohl bekannten Motiven, als deren Ergänzung auch zwei Darstellungen biblischen Themas und zwei Bibelzitate finden: „...on the upper side of the bezel of the ring - in form of a clasped book - appears a skull in white enamel. ... On the shoulders, two groups in enamel: the Fall (Sündenfall) and the Expulsion from Eden (Vertreibung aus dem Paradies). ...Inscriptions on the inner side of the cover: 'Commenda Domino viam tuam et spera in eum, et ipse faciei' - [Befiehl deinen Weg dem Herrn und vertrau ihm; / er wird es fügen] (Psalm 37,5) beziehungsweise: 'Sive vivim(us), sive morimur, Domini sum(us)' - [Ob wir leben oder ob wir ster­ben, wir gehören dem Herrn.] (Rom 14,8). Es ist besonders bemerkenswert, dass das ziemlich häufige Motiv der ineinander ver­schlungenen Hände auch hier vorkommt und sogar mit dem Herz ergänzt wird: „The back of the hoop in the form of hands clasping a heart, enamelled." 25 O. M. Dalton fügt in seinem bereits zitierten Buch zur gründlichen, fachgerech­ten Beschreibung eines weiteren, charakte­ristischen Rings 26 eine vielsagende, wichtige Bemerkung: „It is not easy to say wether this ring should be regarded as a mourning-ring in the usual sens of the word, or wether it had a devotional purpose". 27 Diese Frage wird - im Zusammenhang mit weiteren analogen Stücken - auch in der späteren Literatur wiederholt aufgeworfen und bleibt meist unbeantwortet. Auch wir wollen keine entscheidende Antwort wagen. Umso weniger als wir die Frage anders, sozusagen praktischer formulieren wollen: Wer mag wohl derartige Ringe in Auftrag geben, an wen schenkt er dieses „außerordentliche" Schmuckstück, und zu welchem Anlass? Nun, wir meinen, der Titel von Johann Christian Günthers zitiertem Gedicht, dessen Wortgebrauch und der Kontext von dessen Schlüsselbegriffen liefern einen überzeugenden Beweis für den ursprüng­lichen, eigentlichen Gebrauch von so manchen der hier vorgestellten Schmuck-

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