Szilágyi András (szerk.): Ars Decorativa 26. (Budapest, 2008)
András SZILÁGYI: Vergänglichkeit, Treue, Tod. Kunstwerke mit allegorischen Darstellungen aus dem 17. Jahrhundert
Inventars von 1693 dokumentiert nämlich eindeutig die unter dem Namen Stehendes Tödlein bekannte Kleinplastik. 10 Die erste (früheste) Erwähnung des Memento moriHolzreliefs findet sich aber nicht daselbst, sondern erst in dem im Jahre 1725, also etwa dreißig Jahre später angelegten Inventar in ungarischer Sprache." Ein Vergleich des lateinischen bzw. ungarischen Textes der beiden Inventare führt zu weiteren wichtigen Erkenntnissen. Die Numerierung der Doppelschränke der Schatzkammer stimmt in beiden überein, in den meisten Fällen zeigt auch die Liste der darin untergebrachten Gegenstände keinen wesentlichen Unterschied. Abweichungen zeigen sich stellenweise in der Benennung der Stücke und im Umfang ihrer Beschreibung, und am ehesten darin, dass das spätere Inventar einen Zuwachs in der Menge der Objekte anzeigt. Man darf wohl nicht behaupten, dass es diesen Zuwachs beweist, es suggeriert ihn eher. Im Inventar von 1725 werden nämlich ganze Ensembles - der Inhalt des einen oder anderen Schrankes - statt in einer stückweisen Aufzählung nur als Gruppe angeführt, zuweilen ohne Angabe der Stückzahl. Über den Inhalt des Schrankes Nr. 23/24 bekommt man folgende Information: „...sok féle suhtilis Rántások, ... státuák és más, halál forma masculusok" [vielerlei subtile Raritäten, ... Statuetten und andere Figuren in Gestalt des Todesl . Demnach wäre es denkbar, dass mit diesem Eintrag auch weitere Kleinplastiken in diesen Schränken gemeint waren. Vermutlich Kompositionen, die als eigenartige Varianten der Funeralikonographie der Barockzeit den Gedanken des verheerenden, unbarmherzigen Todes in Gestalt eines Skeletts mit Pfeil und Bogen vergegenwärtigten. Ein besonders charakteristisches Stück dieses Kompositionstyps, eine Kleinplastik aus Lindenholz, wurde in Augsburg vom berühmten Georg Petel um 1630 ausgeführt. 12 Wir haben vorhin bereits auf ein auffälliges Merkmal des Inventars von 1725 hingewiesen, dass es nämlich im Fall von 7. Stehendes Tödlein. Süddeutsche oder österreichische Arbeit, drittes Viertel des 17. Jahrhunderts. EsterházySchatzkammer, Burg Forchtenstein. Foto Manfred Horváth, Wien