Szilágyi András (szerk.): Ars Decorativa 26. (Budapest, 2008)
András SZILÁGYI: Vergänglichkeit, Treue, Tod. Kunstwerke mit allegorischen Darstellungen aus dem 17. Jahrhundert
8-9. Frauenring mit Symbolen der Liebe und der Treue bis ans Grab. Gold, Reliefemail und Emailmalerei. Ungarische oder süddeutsche Arbeit, Anfang 17. Jahrhundert. Budapest, Kunstgewerbemuseum gewissen Objektgruppen statt der Aufzählung der einzelnen Stücke nur „verdichtete / gedrängte", wortkarge Summierungen angibt. Diese Lösung ist mehr oder weniger für alle Inventare der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts bezeichnend, und zwar merkwürdigerweise besonders für jene Einträge, die ein Ensemble von herausragendem Wert, die Schmuckstücke dokumentieren. Daher kommt es vor, dass sich so manche der frühen Schmuckstücke im Renaissance- oder manieristischen Stil ausschließlich mit dem einen oder anderen Posten der frühesten Quellen - Inventare, „speaficationes" - gleichsetzen lassen, die noch in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts zusammengestellt wurden. Dies trifft unter anderem auf eines der charakteristischesten, in den letzten Jahrzehnten wiederholt veröffentlichten Schmuckstücke, auf den sogenannten „Giftring" der Schatzkammer Esterházy. 13 (Abb. 8-9) Dieses Kunstwerk, das seit 1919 im Budapester Kunstgewerbemuseum verwahrt wird, ist - wenn auch „versteckt" zweifelsfrei in den um 1700 angelegten, sehr umfangreichen Inventaren, die ein überwältigend reiches Material erfassen, „zugegen". Allerdings in einer Weise, dass die summarische Erwähnung - mit weiteren Stücken gleichen Typs und gleicher Ausmaße „zusammengezogen" - die genaue Identifizierung im einzelnen meist nicht gestattet. Im Licht dieses Umstandes kann die Tatsache, dass eine der frühen Archivquellen dieses Objekt unmissverständlich benennt, als eine seltene „Gabe" für die philologische Forschung gelten. Ein Eintrag im ungarisch verfassten Inventar der Schmuckstücke aus dem Nachlass von Christine Nyáry, (1604-1641), der zweiten Gattin von Palatin Nikolaus Esterházy, heißt nämlich: „Giwreő, Halál feő raita" [Ring, mit einem Totenkopf darauf]. 14 Wegen dieses dominanten Motivs der emaillierten Verzierung - Totenkopf mit zwei Beinknochen - lässt sich das Stück