Szilágyi András (szerk.): Ars Decorativa 24. (Budapest, 2006)

Orsolya BUBRYÁK: Inter arma silent Musae - „Geheimnisse" eines Brettspiels aus dem 17. Jahrhundert

bayerischen Kurfürsten (das vermutliche Datum der Schenkung ist auf jeden Fall in der Zeit zwischen 1683 und 1704 zu suchen). 44 Es geschah also durchaus nicht selten, dass der Herrscher seine Heerführer von herausragender Qualitäten mit derartig fürstlichen Geschenken überraschte. So kann man sich leicht vorstellen, dass das Brettspiel im Kunstgewerbemuseum ähnlich dem in München aufbewahrten als belohnende Geste des kaiserlichen Hofes ange­fertigt worden war. Zusammenfassung Zurückkommend auf die „familiäre Ursprungs­legende" der Batthyánys, das heißt auf die Frage, ob das Brettspiel für Prinz Eugen von Savoyen angefertigt worden sein kann, muss man zuerst zwei Gesichtspunkte, die Frage der Datierung und des ikonographisehen Pro­gramms, in Betracht ziehen. Aufgrund der Standarte des Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden und der Münchener Prunkspiel­tischplatte des bayerischen Kurfürsten Max Emanuel kann das Brettspiel in den letzten zwei Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts, in der Anfangsphase der militärischen Karriere des Prinzen Eugen von Savoyen angefertigt wor­den sein. Es sei aber auch bemerkt, dass er in den 1680er Jahren - obwohl er bereits an den Kriegsfeldzügen in Ungarns teilgenommen hatte - noch keine wirklich bedeutende Rolle in der Führung inne hatte, dazu kam es erst 1697. So ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass die Verszeilen des Brettspiels - insofern die Datierung richtig ist - tatsächlich seine Erfolge als Heerführer besingen. (Dadurch wird aller­dings bei weitem nicht die Behauptung der Familie Batthyány widerlegt, dass der Ge­genstand aus dem Nachlass Prinz Eugens von Savoyen zu ihnen gelangt war. Das Brettspiel kann auch ganz leicht auf indirektem Wege in den Besitz Eugen von Savoyens gekommen sein. In diesem Fall wurde es nicht für ihn ange­fertigt, gelangte aber später in seine Samm­lung.) Auf jeden Fall ist die Feststellung zu berück­sichtigen, dass das schablonenartige ikono­graphische Programm des Brettspieles in seiner Gesamtheit genauso gut - wenn nicht noch besser - zu Ludwig Wilhelm von Baden passt wie zu Eugen von Savoyen, darum ist das Problem der Attribuierung sehr vorsichtig zu handhaben. Die Frage wird noch weiter dadurch kompliziert, das die Fäden im Falle der beiden Heerführer auch familiär eng miteinan­der verknüpft sind, denn die Mutter Ludwig Wilhelms von Baden war Louise von Savoyen­Carignan, die ältere Schwester Eugen Moriz' von Savoyen-Carignan, der wiederum der Vater Eugens von Savoyen war, so dass Ludwig Wilhelm von Baden der Vetter Eugens von Savoyen war. Infolge fehlender historischer Quellen er­weist sich die Mitteilung Miklós Jankovichs, der ursprüngliche Besitzer des Brettspiels sei der legendäre Feldherr Eugen von Savoyen gewesen, als nicht beweisbar. Sie kann aber aufgrund der für den Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden angefertigten Standarte auch nicht vollkommen verworfen werden. Da das Inventarverzeichnis der Kunstsammlung Eugens von Savoyen nicht erhalten geblieben ist, sind die Chancen gering, die Existenz des Gegenstandes auf diese Art nachweisen zu kön­nen. Eine endgültige und annehmbare Lösung wird wahrscheinlich nur durch die Aufdeckung der Quellen für die lateinischen und italieni­schen Verszeilen gegeben sein, denen man aber bisher nicht auf die Spur kommen konnte. Man kann nur hoffen, dass sie eines Tages gefunden werden und dadurch die „Geheimnisse" des Brettspiels enträtselt werden. Bis dahin aber heißt es - um es mit einem klassischen Spruch auszudrücken - „Wenn die Waffen sprechen, schweigen die Musen".

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