Szilágyi András (szerk.): Ars Decorativa 17. (Budapest, 1998)

Ágnes PRÉKOPA: Die Ornamentalisicrung von Motiven in der angewandten Kunst. Automatische Amorettenfiguren an Wiener Kommodenuhren

sind sogar die Namen falsch geschrieben (Phito statt Pluto, Vesca statt Vesta - als wenn es sich um eine Fortsetzung der klassischen Versprecher der Handwerker im "Sommernachtstraum" handelt ...)• Auf der XIII. Tarockkarte kommt Amor als Pendant Vulkans vor, der gerade seine Fackel löscht, doch handelt es sich hier wohl kaum um einen Verweis auf die Dualismus von Eros und Thanatos. Eine Möglichkeit der Ornamentalisiening eines Motivs ist seine symmetrische Wie­derholung. Unter den Uhren der hier be­sprochenen Periode findet sich ein ty­pisches Beispiel im Wiener Uhrenmuseum. Auf dem Uhrgehäuse einer um 1800 datier­ten, unsignierten Uhr 13 stützen zwei völlig symmetrisch angeordnete Amoretten mit ihren nach oben gerichteten Fackeln den Uhrkörper. Ebenfalls zwei identische Figuren, zwei beflügelte Jünglinge mit Köchern stehen zu beiden Seiten eines Altars auf dem XIV. Blatt der zweiten mythologischen Tarock­serie von József Schneider (Abb. 5.). 14 Die Darstellung des Holzschnittes ist summa­risch und grob, aber es muß sich auf jeden Fall um zwei Amor-Figuren handeln. Im Gegensatz zur Uhr des Wiener Museums dient die Verdoppelung Amors hier nicht nur dekorativen Zwecken. Bezüglich dieser Karte muß man auch auf die traditionellen Methoden der Ikonographie zurückgreifen, das heißt auf die Interpretation der zeit­genössischen Texte, obwohl diese nicht direkt als Quellen der Darstellung zu be­trachten sind. Der Text stammt aus einem (ebenfalls anonymen und zu einer margi­nalen Gattung gehörenden) Wiener Alma­nach von 1827 , der die wichtigsten Fi­guren der antiken Mythologie mit je einem Schnitt und der dazugehörigen, äußerst detaillierten Beschreibung vorstellt. Der Autor geht außer auf die Geschichte von Amor und Psyche auch noch kurz auf die Figur des Anteros ein, was zeigt, daß es sich um eine ungewöhnlich anspruchsvolle Beschreibung handelt. Am Ende dieser Beschreibung findet sich auch ein Hinweis auf die Tradition der Darstellung der Figur, und hier ist eine eigenartige Behauptung des Autors zu lesen: "Eros und Anteros (Liebe und Gegenliebe) werden oft spie­lend, um einen Palmzweig kämpfend dargestellt, wo man sie dann Amoretten nennt." 16 Diese eigenartige Definition zeigt, daß der Autor versucht hat, ein Motiv zu inter­pretieren, das jedoch mit Sicherheit die ihm zugeschriebene tiefere Bedeutung entbehrt. Das spielende Amorettenpaar kann ohne jeglichen weiteren Kontext oder zumindest einer Aufschrift wohl kaum als die Verkör­perung des Dualismus von Eros und An­teros verstanden werden, selbst wenn sie um den Palmzweig des Sieges kämpfen. Die Karten von József Schneider lassen noch weniger auf fundierte mythologische Kenntnisse schließen. Die Darstellung der beiden Amor-Figuren läßt - unter Berück­sichtigung des Almanachtextes - die An­nahme zu, daß die mit philologischem Anspruch erstellten Erläuterungen (be­ziehungsweise Darstellungen), die von Zeit zu Zeit auftauchen, während die Kenntnis der antiken Kultur immer oberflächlicher wird, quasi als "Störfaktoren" der Tendenz zur Provinzialisierung und Ornamentali­siening der Darstellungstopoi erschienen. Ein weiteres Beispiel für den eigenartigen Wechsel des Geschlechts der Figur bietet eine noch speziellere Gattung als die bisherigen. Ein Kartenalmanach wurde erstmals 1804 von dem Tübinger Cotta Verlag herausgegeben (mit einem Alma­nachtext von 1805, Abb. 6-7.). 17 Auf den Karten werden die beflügelten Mädchen­Amoretten durch leichte, aber bis zum

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