Szilágyi András (szerk.): Ars Decorativa 16. (Budapest, 1997)
SZILÁGYI András: Adalék Nádasdy Ferenc (1623-1671) műkincseinek utóéletéhez
werden im Inventar von 1725 nur vereinzelt festgehalten. Umso bemerkenswert sind zwei aufeinanderfolgende Eintragungen im Verzeichnis der Wiener Schatzliste von 1670: „Ain zerbrochne Muschl von rotten Jaspis" und „Ain khleiner dergleichen Gschir, von Rotten Jaspis". 14 Da das dritte Wort der letzteren das Attribut der ersteren ersetzt, kann die Beschreibung des zweiten, für uns bedeutsamen Gegenstandes folgendermaßen verstanden werden: Ein kleiner [es], zerbrochenes Geschirr, von rotem Jaspis - d. h. ein zerbrochenes Gefäß, kleiner als das vorangegangene. In diesem Sinne ist zumindest so viel festzustellen, daß diese Beschreibung auf die oben behandelte kleine Schraubflasche der Esterházy-Schatzkammer mit roten Jaspisplatten „paßt". Die Möglichkeit der Identifizierung besteht also, in Anbetracht der erwähnten übrigen Umstände und der Person des Meisters liegt sie sogar auf der Hand. Weitere zwei Posten des Nádasdy-Inventars von 1670 sagen trotz ihrer wortkargen Formulierung viel für uns aus: „Ain Corallener Rossenkhranz, w(iegt) 6 lot" beziehungsweise „Ain dergleichen Rossenkhranz mit golden vndermarchen vnd ainen Metaln in Golt". i5 Die Beschreibnungen erwähnen also zwei Rosenkränze aus Korallperlen, und letzterer war mit „Untermarken", also mit Anhängern versehen. Dieser Typ, der Rosenkranz aus Korallperlen, ist sowohl im europäischen als auch im ungarischen Material äußerst selten, er kann sogar im bis jetzt veröffentlichten Archivmaterial in verschwindend geringer Zahl belegt werden. In ungarischen öffentlichen Sammlungen - die verschiedenen Domschätze mitgerechnet - ist insgesamt nur ein einziges Exemplar bekannt, nämlich der Rosenkranz aus der Sammlung Esterházy im Kunstgewerbemuseum von Budapest. 16 (Abb. 6.) In den Inventaren von Forchtenstein wird das Stück seit 1685 wiederholt erwähnt, und zwar in vierzig Jahren viermal. Wir zitieren hier die detaillierteste Variante aus dem Verzeichnis von 1696: „Rosarium Doecennarium ex Corallis magnis, cum Argenteo deaurato, Pater Nosterque Numismataeque simili Christi Domini et uno Annulo dépende ntibus, condam Regis Poloniae Stephany Bathori existens. " ll Der Umstand, daß das Stück ursprünglich dem polnischen König Stephan Báthory gehörte, wird auch im ungarisch aufgenommenen Inventar von 1725 nachdrücklich erwähnt: „eine rote Korallenkette aus elf Perlen, mit goldenem Kreuz und goldener Münze, gehörte dem polnischen König Stephan Báthory, wie dies aus einer daran hängenden Schrift hervorgeht". 18 Diese mehr oder weniger einhellige Behauptung der Inventare von Forchtenstein aus der Zeit zwischen 1696 und 1725 wurde in der Literatur praktisch als Tatsache behandelt - und zwar unseres Erachtens mit gutem Recht —, denn es lag kein Grund vor, die Authentizität dieser Mitteilung zu bezweifeln. Der Frage, wie dieses offenbar aus Italien stammende - und gewiß dort hergestellte - wertvolle Kleinod wohl nach Polen, in den Besitz des Stephan Báthory gelangte, ist aber noch niemand nachgegangen. Mangels eindeutiger Daten bleibt zwar diese Frage auch weiterhin offen, wir glauben aber diesbezüglich eine Hypothese formulieren zu dürfen. Es könnte sich um ein persönliches Geschenk des Papstes Gregor XIII. an Stephan Báthory handeln, das ihm möglicherweise im zweiten Jahr nach seiner Thronbesteigung, von dem 1578 nach Krakau gekommenen neuen päpstlichen Nunzius Giovanni Andrea Caligari (1527-um 1594) überreicht wurde. 19 Was nun die Krakauer Herkunft des Stückes, genauer seine Herleitung von Stephan Báthory anbelangt, verursachte diese Feststellung der philologischen Forschung zur Geschichte der Sammlung Esterházy ein schweres, kaum lösbares Problem. Es hat sich als eine begründete Tatsache erwiesen, daß das Stück irgendwann in den beiden Jahrzehnten vor 1685 nach Forchtenstein, in die Schatzkammer der Esterházy gelangte, da es weder im Inventar von 1664 noch davor in den Schatzlisten aufscheint. Es war aber