Szilágyi András (szerk.): Ars Decorativa 15. (Budapest, 1995)

SZILÁGYI András: Esterházy Pál herceg kincstárának gyarapodása 1687 után

eine Silberplatte, die Rückenlehne, die Arm­lehnen und die Beine der Armstühle sind mit versilberten Kupferplatten verziert 11 (Abb. 16). Die drei Gegenstände wurden zweifelsohne zur gleichen Zeit und im Sinne desselben Auftrags, aber nicht in derselben Werkstatt ausgeführt. Der Tisch beziehungsweise dessen Silberorna­mente werden von der neueren Forschung dem namhaften Augsburger Goldschmied Friedrich I. Schwestermüller (1647-1701) zugeschrieben, der meistens für aristokratische Mäzene und so­gar für Herrscher arbeitete. 12 Die beiden Stühle beziehungsweise deren getriebene Metallplat­ten stammen hingegen mit Gewißheit aus ei­ner einheimischen, möglicherweise Preßburger oder Ödenburger Werkstatt. Die genaue Datie­rung der Stücke wäre aufgrund des Beschau­zeichens auf der mittleren Platte des Tisches möglich. Eine gründliche und vergleichende Un­tersuchung dieser Beschanzeichen-Variante steht jedoch noch aus und bleibt der künftigen For­schung vorbehalten. Zur Bestimmung der Ent­stehungszeit des Ensembles bietet also zur Zeit nur das vorherrschende Motiv der beiden Stühle einen wichtigen Anhaltspunkt. An beiden Rü­ckenlehnen erscheint nämlich das bis ins kleins­te Detail genau herausgearbeitete fürstliche Wappen Esterházy. Es ist daher kaum zu bezwei­feln, daß diese eigenartige Prunkmöbelgarnitur anläßlich der Erhöhung in den Reichsfürsten­stand oder kurz danach intstanden sein muß. 11 An das herausragende Ereignis im Leben von Palatin Paul Esterházy, an die Erhebung in den Reichsfürstenstand, erinnern nicht nur Ge­genstände, die - wie die oben behandelten ­nach der Rangerhöhung, also in den Monaten nach dem 8. Dezember 1687 entstanden sind. In einer gewissen Hinsicht gehört auch ein weiteres prächtiges Stück, ein fein geformter Goldpokal in diese Gruppe, die laut Emailin­schrift und Jahreszahl aus erheblich früherer Zeit stammt (Abb. 17). Der Pokal, die Arbeit des angesehen Wiener Hofgoldschmiedes Fer­dinand Kunath, entstand im Auftrag von Kaiser Ferdinand III., der ihn seinem Hofkanzler, Frei­herr Johann Matthias Goldegg, schenkte. Anlaß und Umstände der Schenkung sind am Rand des Deckels in einer akribisch detaillierten In­schrift festgehalten: „Munus Ferd(inandi) III. Ca' s (Caesaris) In Memóriám Praestiti Homa­gii Ferd. IUI. Regis 5. Septembris 1651 et Leo­poldo Ignatio Archiduci 26. Januarii 1655". 14 Die angeführten Daten bezeichnen den Zeit­punkt zweier hervorragender Ereignisse. Es han­delt sich um zwei feierliche Zeremonien, um die Erbhuldigung vor Ferdinand IV., dem Wahl­könig Ungarns beziehungsweise vor Erzherzog Leopold Ignaz, dem späteren Kaiser Leopold I., im Wiener Stephansdom. Zur zweiten Erbhul­digung kam es wegen des tragischen plötz­lichen Todes von Ferdinand IV. (9. Juli 1654); dem Erstgeborenen, dem gewählten jungen Kö­nig von vielversprechendem Talent war es nämlich, wie bekannt, nicht gegönnt, das Erbe seines Vaters anzutreten. 15 In der Vorbereitung und der Organisation die­ser Zeremonien kam dem Hofkanzler Johann Matthias Goldegg eine herausragende Rolle zu. Er sorgte dafür, daß die Stände der aus aktual­politischen Gesichtspunkten gerade wichtigsten Erblande in gebührend hoher Zahl und durch ihre einflußreichsten Persönlichkeiten an den Feierlichkeiten teilnahmen und ihre Huldigung persönlich zum Ausdruck brachten. Er war es außerdem, der bei beiden Gelegenheiten die großangelegte Festansprache hielt, in der ein­deutig hervorgehoben wurde, daß die Dynastie - ihrem Erbfolgerecht Geltung verschaffend ­auch weiterhin auf die Treue der Erblande und auf die wirkungsvolle Unterstützung aller Bestrebungen im Intertesse der Reichspolitik zählt. Seine Worte wurden von den Teilneh­mern der Zeremonie - den versammelten Ver­tretern der fünf innerösterreichischen Herzog­tümer (Niederösterreich, Oberösterreich, Steier­mark, Kärnten, Krain) sowie der Grafschaft Görz - mit begeistertem Einverständinds auf­genommen, und dies trug maßgeblich zur Stär­kung der Positionen des Kanzlers und zur Erhöhung seines Ansehens in Hofkreisen bei. Ein konkretes Zeichen der Anerkennung für seine Person war eben der Prunkpokal, an des­sen Deckel als dominante Motive verständ­licherweise die Wappen der erwähnten Lande angebracht wurden 16 (Abb. 18).

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