Szilágyi András (szerk.): Ars Decorativa 15. (Budapest, 1995)
SZILÁGYI András: Esterházy Pál herceg kincstárának gyarapodása 1687 után
Nymphe Hesperia, die verzweifelt vor Aesacus, dem „natürlichen" Sohn des trojanischen Königs Priamos flieht, der sie mit seiner Liebe bedrängt. Der in Windeseile fliehenden Nymphe lauem aber auch andere Gefahren auf: „Siehe, mit hakigem Zahn ritzt eine vom Grase verdeckte Viper der Fliegenden Fuß und läßt ihr Gift in den Körper. " Umsonst erreicht der Jüngling die Geliebte, statt der Freuden der erfüllten Liebe bringt ihm dies nur den Schmerz der Trauer und unablässige Gewissensbisse: „...Mich reut, mich reut die Verfolgung;" „... so teuer verlangt ich den Sieg nicht. Zweien verdankst du Arme den Tod. Biß kam von der Schlange Anlaß kam durch mich. " Aesacus ist untröstlich und flieht zur Sühne in den Freitod: „... Ich bin ruchloser als jene; drum soll Trost mein Tod dir wegen des Todes gewähren." (Metamorphoses, Buch XI, Zeilen 749-782) 9 Der Kupferstich Baurs zeigt uns den tragischen Ausgang dieser Geschichte, mit der zu Boden gestürzten Hesperia im Vordergrund und rechts von ihr mit dem eben eintreffenden Aesacus, der mit dem tragischen Anblick konfrontiert wird. Die Ergriffenheit des letzteren, die tragische „Metamorphose" seines aufgewühlten Seelenzustandes, wird durch seine unbeschreibliche Mimik und die verzweifelte Geste seiner zum Himmel emporgehobenen Arme vergegenwärtig und zum Ausdruck gebracht. Die bravourvollen Detaillösungen dieser ausgereiften Komposition kommen am Elfenbeinrelief, in Szene neunundzwanzig, weniger zum Ausdruck; der Meister des Reliefs konnte bei der Übertragung der Vorlage nur die Gruppenfügung übernehmen und die Reproduktion der Einstellungen anstreben. (Abb. 15) Als Konklusion ihrer Ausführungen nahm Angéla Héjj-Détári in ihrem Aufsatz auch in der Frage der Attribution Stellung. Aufgrund der eingeritzten Signatur - die Majuskeln B S F sind auf dem Spruchband der letzten Figur der Szenenfolge angebracht - schrieb sie die Reliefs dem herausragenden Augsburger Meister Bernard Strauss zu, der als Goldschmied und als Elfenbeinschnitzer gleicherweise bekannt war. Wir können hier aus Platzmangel die Argumente für und wider diese Zuschreibung, die einander genau aufwiegen, nicht einzeln anführen. Daher müssen wir uns diesmal mit der Feststellung begnügen, daß auch seitdem kein Vorschlag vorgebracht wurde, der mehr Beweiskraft hätte. Es besteht kein Zweifel, daß die eigenartige Bearbeitung dieses Elephantenzahnes, der an sich schon einen sehr hohen Wert vertrat, wie auch seine künstlerische Gestaltung im Sinne einer ausgesprochenen Absicht des Auftraggebers erfolgte. Es fragt sich nur, ob detaillierte Hinweise hinsichtlich der Auswahl der Ovidschen Episoden vorlagen, oder ob dies dem ausführenden Meister überlassen wurde, der also bei der Zusammenstellung der Episoden freie Wahl hatte. Diese Frage wird sich wohl kaum je entscheiden lassen. Soviel läßt sich jedoch feststellen, daß neben dem besonderen Sinn und der Vorliebe des Palatins Esterházy für Kuriosa im Hintergrund dieses ungewöhnlichen Auftrags noch ein Gesichtspunkt „greifbar" wird. Nämlich die Absicht, die nunmehr fürstliche Familienschatzkammer mit einem Kunstwerk sondergleichen zu bereichern, dem selbst in den bedeutendsten Schatzkammern von Herrschern ein hervorragender Platz gebührt hätte, das also auch jenen zur Ehre gereicht hätte. 10 Gewiß war es die gleiche Absicht, der weitere drei Stücke der Sammlung ihr Entstehen verdanken. Es handelt sich um die bemerkenswerten „Silberprunkmöbel", die ursprünglich in der „Schatzkammer" auf Burg Forchtenstein bewahrt wurden und heutzutage, dank den neueren gründlichen Publikationen, so ziemlich allgemein bekannt sind. Das eigenartige Ensemble besteht aus zwei Armstühlen und einem Tisch; fast die gesamte Oberfläche ist von reich geschmückten, getriebenen Metallplatten überzogen. Im Falle des Tisches ist es