Vadas József (szerk.): Ars Decorativa 12. (Budapest, 1992)

SZILÁGYI András: Az Esterházy-gyűjtemény 15. századi ötvösművei és a Mátyás-tradíció

Werktyp, einer eigenartigen spätgotischen Variante des sogenannten Glockenblumen­pokals zu tun. Dieser Typ weist am Ende des 15. Jahrhunderts gewisse Modifizierun­gen auf, indem darauf von der Mitte der 1480er Jahre an verschiedene Ornamente im Renaissancestil erscheinen. Unserem Gegenstand fehlen aber diese Stilelemente der Frührenaissance, seine Anfertignngszeit kann also auf die Jahre um 1480 datiert werden. Die aus 1693 stammende Mitteilung ent­spricht hinsichüich eines auffallenden wich­tigen Details dem gegenwärtigen Zustand dieser Goldschmiedearbeit nicht. Die zitier­te Beschreibung bezieht sich auf das Wappen des Matüiias Corvinus, demgegen­über sieht man auf dem Deckel des Pokals, an der Innenseite, ein ungarisches Barock­wappen mit folgender Inschrift: "MATHIAS CORVINUS D. G. HUN. BOH. DAL. CROAT. SLAV. REX 1465". Diesen heutigen Zustand hält jene ziemlich ausführliche Beschreibung jüngeren Datums fest, die ein Item des aus 1725 stammenden Inventars der Schätze in Forchtenstein ist: "Ein alter versilberter Buckelpokal aus Gold, mit dem Namen von König Matthias und dem Landeswappen in der Innenseite des Deckels". 12 Daher scheint es sicher zu sein, dass das Orna­ment, das den Deckel schmückt, zwischen 1693 und 1725 angefertigt worden ist und somit als das Ergebnis einer späteren Er­gänzung angesehen werden kann. Was der Anlass gewesen sein kann und was im hin­tergnmd der Veränderung und der Unter­bringung des neuen Wappens mit Inschrift und Jahreszahl gestanden haben mag, das wissen wir nicht. Fest steht, dass die Jah­reszahl 1465 weder das Datum der Anfer­tigung, noch das Datum der Schenkung ist. Die Anführung der Jahreszahl lässt aller­dings vermuten, dass in den 1700er Jahren, genauer gesagt im Zeitraum 1693-1725 mit dem Gegenstand irgendeine alte Tradition verbunden war. Diese Tradition kennen wir zwar nicht, wir wissen nur, dass sie höchst­wahrscheinlich ein Irrtum sein musste, da wir die Jahreszahl 1465, die sich auf sie bezieht, für eine fiktive halten müssen. Aufgrund der bisher angeführten Angaben lässt sich folgendes kurz zusam­menfassen. Wir haben zwei Beschreibun­gen, die sich auf ein und denselben Gegen­stand beziehen, und eine Beschreibung, die aus 1693 stammt, berichtet über den frühe­ren, wahrscheinlich über den Originalzu­stand des Werkes. Diese lateinischsprachige Inventar-Tcxtstelle enthält - wie wir sehen - auch eine Jahreszahl, und das Datum 1481 bezeichnet sicherlich die Anferti­gungszeil des Gegenstandes oder steht zu­mindest mit ihr im Einklang. Dieser Umstand sowie die Person des ursprüngli­chen Besitzers erlauben uns - gemäss den beiden miteinander übereinstimmenden Quellen -, den Pokal zu einem wohlbc­kannten wichtigen Ereignis der Diplomatie von Matthias Corvinus in Beziehung zu bringen. Im November 1480 beauftragte der Nürn­berger Reichstag drei erfahrene Diploma­ten, mit dem ungarischen Regenten Ver­handlungen zu führen. Im Hintergrund dieser Entscheidung verbarg sich die damals bereits lange währende, mitunter heftige Feindseligkeit zwischen Kaiser Frie­drich III. und König Matthias Corvinus. Das Rivalisieren der beiden Herrscher spitzte sich Ende der 1470er Jahre bedroh­lich zu. Ursache dafür war ein umstrittener Punkt des Gmundencr Vertrags von 1477, laut dessen Matthias ein Tribut in der Höhe von hunderttausend Florentinern gebühre, welche Summe aber Friedrich auf keinen Fall bezahlen wollte. Woraufhin ihn der un­garische König angriff, und sein Heer sich der steirischen Burg Radkcrsburg im März 1480 bemächtigte. Zu diesem Schritt sah

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