Vadas József (szerk.): Ars Decorativa 12. (Budapest, 1992)

SZILÁGYI András: Az Esterházy-gyűjtemény 15. századi ötvösművei és a Mátyás-tradíció

ANDRÁS SZILÁGYI GOLDSCHMIEDEARBEITEN AUS DEM 15. JAHRHUNDERT IN DER SAMMLUNG ESTERHÁZY UND DIE MATTHIAS CORVINUS-TRADITION "Die Berühmten Taten Seiner Majestät, des Königs von Ungarn, Matthias, und seine weisen und scherzhaften Sprüche an seinen Sohn, den Prinzen Johannes" - lautet der Titel eines in lateinischer Sprache ab­gefassten Manuskripts des im Dienste von Matthias Corvinus an dessen Budaer Hof lebenden, bekannten italienischen Humani­sten Galcotto Marzio (1427-1497), das von dem Repräsentanten der neulateinischen Li­teratur des 16. Jahrhunderts Zsigmond Torda de Gyalu verlegt worden ist. 1 Er widmete das Werk mit dem Datum Wien, den 20. Juni 1563 dem Sohn Ferdinands L, dem König von Rom, Maximilian IL, den man damals, am Hof, für den Nachfolger des grcisen Regenten und somit für den An­wärter des ungarischen Thrones hielt. In dieser Situation veitrat Maximilian eine un­zweideutige Absicht bezüglich seiner poli­tischen Vorstellung, zumal er seinen An­spruch auf den Thron vor allem von einem möglichst breiten Kreis der Stände des Landes gutzuheissen hatte. Das schien keine leichte Aufgabe zu sein, da sich die Adeligen noch allzu lebhaft an die Ereig­nisse des früheren, 1552 stattgefundenen türkischen Heerzuges, vor allem aber an jene unwürdige Rolle erinnert haben, die darin der junge Erzherzog zu spielen hatte. Somit war für Maximilian besonders wichtig, das in der öffentlichkeit lebende Bild seiner Persönlichkeit modifizierend, ja nachgerade retuschierend, die Sympathie der Stände des Landes zu gewinnen und die meisten dessen Vertreter gegenüber seinem Rivalen Johannes Sigismund an seine Seite zu stellen. Diesem Vorsatz würde aber ­besser und wirksamer als jedwede wohl­klingende Deklaration - jener Schritt dienen, wenn der König von Rom als Kenner der nationalen Vergangenheit und würdiger Erbe einer ruhmvollen Tradition vor der Öffentlichkeit auftreten würde. Diese Absicht verbarg sich hinter zahlrei­chen praktischen Schritten und leitete ihn auch vor seiner am 8. September 1563 statt­gefundenen Krönung in Pressburg. Zu ihnen gehörte auch die Wiener Herausgabe des oben erwähnten literarischen Werkes, in dem die legendäre Person von Matthias Hunyadi heraufbeschworen worden war, denn - wie aus der Widmung ersichtlich ­der Initiant der Herausgabe war ja kein anderer als Maximilian selbst. Nach dem 26. Juli 1564, seinem Thron­antritt, brach zwischen den Vertrauensmän­nern Maximilians und den Anhängern von Johannes Sigismund das frühere Rivalisie­ren mit neuer Kraft aus, und zwar auch in jener Hinsicht, dass beide Lager den eigenen Herrscher für den wahren und wür­digen Fortsetzer des Erbes von Matthias Corvinus gehalten haben. Auf eine bezeich­nende und mannigfache Weise wird dies vom Nachleben des berühmten Geschichts-

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