Vadas József (szerk.): Ars Decorativa 12. (Budapest, 1992)

SZILÁGYI András: Az Esterházy-gyűjtemény 15. századi ötvösművei és a Mátyás-tradíció

wcrkcs Antonio Bonfinis bewiesen. Die von König Matthias Corvinus initiierten und seine Persönlichkeit verherrlichenden Rerum Ungar icarum Decades - dieses prachtvolle Werk der humanistischen rheto­rischen Geschichtsschreibung - wurden nacheinander gleich zweimal gedruckt, indem der Klausenburger Ausgabe von Gáspár Heltai aus 1565 schon 1568 die zweite, bereits ungekürzte Wiener Ausgabe von János Zsámboky folgte. 2 In der Widmung dieser Ausgabe formuliert der in ganz Europa angesehene Gelehrte ­bekannt als Johannes Sambucus (1531­1584) und zu jener Zeit Maximilians Hof­geschichtsschrcibcr - einige beherzigens­werte Ratschläge für die Historiker seiner Zeit: "So ist es nun, dass wenn der Mensch etwas nicht weiss oder nur erfindet, ... wenn der Gegenstand aus der Luft gegriffen und falsch ist, ... so entsteht aus derlei Er­zählungen nichts Verlässliches, nichts, was Hand und Fuss hat ... Eine Feststellung muss nachgewiesen und belegt sein, auf dass man mangels Beweise nicht auf den Irrweg kommt ... Der Historiker hat einfach, offen und entschlossen zu sein ... und nie daif er den Boden der Fakten ver­lassen." 3 Bekanntlich verdiente die humanistische Geschichtsschreibung die Ermahnungen von Sambucus nicht zu Unrecht. Die ange­sehenen gelehrten Verfasser der namhaften Chroniken und wertvollen Aufzeichnungen füllten ja die Lücken der ihnen keinesfalls in grösseren Mengen zur Verfügung stehen­den Quellen bedenkenlos mit verschiedenen unkonntrollicrtcn Gedankengängen und Konjekturen, mit beliebten, sich oft wieder­holenden rhetorischen Wenden und Flos­keln. Ihre Erörterungen beruhen nicht selten auf Hirngespinsten und sind mitunter bloss das Produkt reiner Phantasie. Es unterliegt daher keinem Zweifel, dass der Historiker unserer Zeit die Werke seiner Kollegen aus der Zeit des Humanismus, die Feststellun­gen der mit zielgerichtetem Idealisieren ab­gefassten Chroniken mit Vorsicht und ge­nügendem Vorbehalt zu behandeln hat. Darüber sind sich die historiker der Gegen­wart auch einig. Um so umstrittener ist es dagegen, ob die Angaben selbst, die ohne Kommentar vor­getragenen objektiven Tatsachen annehmbar und authentisch sind. Die Beantwortung dieser Frage ist keine einfache Aufgabe, be­sonders nicht im Falle einer bestimmten Gruppe alter Quellen, der Inventare von Kunstgegenständen im 16. und 17. Jahrhun­dert. Die darin zu findenden Mitteilungen werden über die einfache Festhaltung blosser Tatsachen hinaus nicht selten auch von anderen Absichten motiviert, vor allem von dem bestimmten Anspruch, dass die Kunstsammlungen adeliger Familien bzw. bestimmte repräsentative Stücke darin eine historische Reminiszenz erwecken müssen, indem sie ja Zeugen und Hcraufbeschwörer der gloneichen Vergangenheit der adeligen Nation zu sein haben. Um das zu beweisen, könnte man zahlreiche Textstellen der In­ventare aus dem 16. und 17. Jahrhundert anführen, die darüber berichten, dass ir­gendeine alte Waffe oder Goldschmiedear­beit einst Johannes Hunyadi gehört hat oder vielleicht gar aus der Schatzkammer von Matthias Corvinus stammt. Selbst wenn derlei Behauptungen oft die Formulierung "es wird gesagt" oder "man hat es so gehört" enthalten, und daher eine Unge­wissheit entsteht, so eignen sich doch diese Texte ausgezeichnet dafür, zum gesteigerten Ansehen des Inhabers einer Kunstsamm­lung bei zutragen. Und zwar im Grunde ge­nommen unabhängig davon, ob es sich denn um eine nachprüfbare authentische Tradition, oder aber um eine einfache, es mit der Sache wohlmeinende Fälschung handelt.

Next

/
Thumbnails
Contents