Imre Jakabffy (szerk.): Ars Decorativa 2. (Budapest, 1974)
KISS, Ákos: Kunstgewerbliche Angaben zur neohellenischen Stilrichtung im 19 Jahrhundert
nengelernten archaischen griechischen Baukunst. Während die Stile Ludwigs XVI.. des Directoire, des Empire, der Klassizismus der ersten Hälfte des Jahrhunderts ohne Wahl, hauptsächlich aus der an die zwei ersten Jahrhunderte der römischen Kaiserzeit erinnernden Stilsprache ihre Ornamentensysteme vermischten, schöpfte der Neohellenismus, der „style décoratif néo-antique" nur aus den mit dem Hellenismus endenden griechischen Jahrhunderten; seine ziemlich geschlossen anmutenden Ornamentensysteme hauptsächlich aus Palmette-, Meander- und Akanthusrankenelementen zusammenstellend. Dies blieb auch auf den neuen Geschmack und die neue Malerei nicht ohne Wirkung. A. Feuerbach erstrebte in seiner Kunst homerische Wirkungen: die Kunst konnte sich seines Erachtens nur in griechischen Richtungen weiterentwickeln. Doch die zum Grossteil zwar von antiken Kulturerlebnissen gefüllte, ihrem Inhalt nach jedoch spätromantische Malerei A. Böcklins kann in erweitertem Sinne nicht hierher gezählt werden. Sehr wesentlich vom Standpunkt des weiteren Schicksals der neohellenen Richtung, ja der ganzen Zukunft der Ornamentik ist die Tatsache, dass ihre Musterungen bei einzelnen französchen Kunstgewerblern, wie P. Avisse es war, vom Kreise der griechischen Elemente auf unmittelbar nachweisbare Art in die floreale Frühsezession führen. Ungarn übernahm den Neohellenismus in seiner bereits fortgeschritteneren, sich entfalteten Periode, Mitte der Sechzigerjahre, nach Münchner und Wiener Mustern. Mit dem Erlöschen der Zunftmeisterkünste, war zu dieser Zeit aber gerade die heimische Kunstgewerbetätigkeit auf ziemlich niedrigem Niveau. Die Ansprüche der Gesellschaft befriedigte damals ausser der spärlichen inländischen Produktion das Kunstgewerbe der Kronländer, vor allem Wiens und Böhmens. Doch die Europa bereisenden Ungarn bemerkten im Glänze des Historismus auch die griechische Antike nachahmenden Formen. Bei uns agitierte Arnold Ipolyi gegen die „letzten Auswüchse des klassizistischen Idealismus, die banalen Themen der antiken Mythologie" 111 , worauf jedoch auch die Antwort bald gefunden war: „Die Sympathie der Menschen von feinem Geschmack dem Antiken gegenüber ist unaustilgbar . . .", demgegenüber aber sind „die archaeologischen Experimente aus künstlerischem Gebiet zumeist vergeblich, auch wenn sie um die Auffrischung von Werken klassischer Zeitalter bemüht sind" 1 ' 1 . József Eötvös aber hielt das Erbe des Griechentums in seinen künstlerischen Werten für unübertreffbar. 15 Zsigmond Justh erwähnt in seinem Pariser Tagebuch noch die „Diners archéologiques", auf den antikisierenden Charakter der Einrichtungen und der Tischkultur hinweisend 11 ', die ästhetische Bildung förderte auch bei uns den Kult der Antike. Das Hauptprinzip des Gedankenganges József Eötvös's war die Argumentation mit griechischen Exempeln. die Unterstreichung der Überlegenheit der griechischen Künste 17 . Unter den Ästheten der damaligen Zeit betonte Béla Jánosi 1 *, doch später auch Zsolt Beöthy, dass sich auch die Kunst der Gegenwart auf dem Formenschatz der antiken griechischen Welt aufbauen kann. 1 " Zur Geltendmachung der neuen Richtung bot eine Zeit hindurch die Verzierung der Intérieurs die beste Gelegenheit. Der mit neohellenischen Zügen reich ausgestattete Palast der Ungarischen Akademie der Wissenschaften fiel gerade in diese Zeitspanne (1859—1865).-° 145