Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)
98 auch Johann von Sumn&urg König von Böhmen, hatte eine Partei für sich, wollte aber die Kaiserkrone nicht; seine Partei wandte sich zu der ghibellinischen; Ludwig wurde zu Frankfurt durch die Mehrheit der Fürsten, auf Betrieb Peter Aichspalters, Erzbisckof von Mainz, am 20. Oktober 1314 zu Frankfurt zum Kaiser gewählt, und am 26. November zu Aachen gekrönt; währe d die andere Partei, die päbstliche, an ihrer Spitze der Erzbischof von Köln, nur vor den Thoren der Stadt, in Sachsenhausen Friedrich III. am 19 Oktober 1314 zum Kaiser wählte- Es war natürlich, daß es jezt zwischen beiden Kaisern zum Kriege kommen mußte; die Fehde wurde jedoch matt und langsam geführt, den beide Parteien fürchteten eine Niederlage. Endlich, 1317, kam es zufällig bei Eßlingen zu einer blutigen Schlacht, indem Ludwigs und Friedrichs Reiter von zwei Seiten her in der Nähe der Stadt ihre Pferde im Neckar tränken wollten; allein nichts wurde dadurch entschieden, und die Dinge ruheren wieder, bis es im Jahre 1322 am 28 September bei M ühldorf im Salzburgischen zu einer Haupschlacht kam. Von zwei Seiten angegriffen, indem der Burggraf von Nürnberg mit dem österreichischen Banner in Friedrichs Rüken erschien, erlitt Friedrich eine furchtbare Niederlage, in welcher die Blüte des österreichischen Adels fiel und Friedrich von dem Nürnberger Rindsmaul gefangen wurde. Nach diesem glänzenden Siege trat Ludwig jezt kühner auf; er unterstüzte die Ghibellinen in Italien, und es schien den Guelfen, er wolle die Politik der Hohenstaufen in Italien erneuern. Daher drangen Frankreich, Neapel und Ungarn in den Pabst Johann XXII., den Kaiser mit dem Blitze der Kirche zu vernichten, und 1324 that er ihn wirklich von Avignon, wo er unter dem Schuze Frankreichs lebte, in den Kirchenbann. Aber Ludwig fand in der Kirche selbst Freunde; die gelehrtesten Männer, denen das Verderbniß des Klerus, das vom Pabste ausging, ein Greuel war, schloßen sich an den