Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)

99 Kaise r, und bekämpften den Pabst zu Ludwigs Verthei- digung. Der Pabst schäumte vor Wuth, und mit Frank­reich im engsten Bunde, trug er darauf an, den Kaiser zu entsetzen und dem Könige Karl von Frankreich die deutsche Krone zuzuwenden. Auch wäre die Wahl sicher zu Stande.gekommen, wenn nicht Graf B-'rthold von Bucheck, Komthur des deutschen Ordens, auf dem Fürsten­tage zu Rhense, im Zorne den Fürsten zugerufen hätte: „Soll Deutschland einen Kaiser haben, der nicht deutsch kann? Soll es sein Geld nach Frankreich schicken? Das ganze deutsche Volk ist dagegen, soll aber um Frankreichs willen, ein blutiger Bürgerkrieg in Deutschland geführt werden?" Die Fürsten gingen in sich und traten zurük; und wirklich war auch das ganze Volk allgemein für Ludwig. Dieser sah ein, Deutschland könne in diesem Sturme nur bestehen, wenn er sich mit Friedrich aussöhne. Er ritt also zu ihm auf die Trausnitz, wo Friedrich gefangen saß, erinnerte ihn an ihre Jugendliebe, an das Wohl deS Reiches. Da brach Friedrich die Hostie mit ihm, gelobte ihn als Kaiser anzuerkennen und auch seinen Bruder Leopold dazu zu bringen. Aber Leopold, vom Pabste verhezr, wollte sich zur Huldigung nicht verstehen; Frie­drich, der also die beschworene Bedingung nicht erfüllen konnte, stellte sich freiwillig—ein Muster deutscher Treue — als Gefangener vor Ludwig. Der Kaiser blieb hinter solcher Gioßmuth nicht zurük; die als Gegenkaiser sich gehaß-, wurden die wärmsten Freunde, und so in Treue verbunden, daß Friedrich zu München die Huth des baieri- schen Landes übernahm, während Ludwig seine auswärtigen Kriege führte. Im folgenven Jahre 1325 starb Leopold, und |o war ganz Habsburg für Oie deutsche Sache ge­wonnen. Unter diesen günstigen Umständen machte Ludwig mit Friedrich einen Vertrag, wonach beide Kaiser nebenein­ander herrschen sollten. Friedrich blieb im Reiche, Lud­wig brach 1327 nach Italien auf, fejte sich am 30. Mar in Mailand die eiserne Krone aufs Haupt, erklärte den

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