Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)

83 der Kanzler Peter de Vincis, hatte sich dem Pabste zugewendet, und der Kaiser wurde vor ihm gewarnt, indem Peter ihn vergiften wolle. Peter de Vincis hatte dem Kaiser nämlich einen ihm bisher unbekannten Arzt zugeführti angeregt vom Verdachte, ließ Friedrich die ihm gebotene Arznei einem zum Tode verurtheilten Verbre­cher reichen, der gleich nach bereit Genüße starb. Tief getroffen von her Treulosigkeit seines ältesten Freundes, rief er auS: „Wem soll ich jezt noch trauen?" Peter wurde geblendet und in den Kerker geworfen, wo er sich aus Verzweiflung den Kopf an der Kerkermauer zer­stieß. Der Kaiser genaß, und raffte sich noch einmal auf, seinen Feinden gegenüber zu treten, wozu er eine Schaar Araber aus Afrika herüber gerufen hatte, mit der er noch einige Zeit das Feld hielt, bis er plözlich zu Fieren­zola aufs Neue erkrankte und am 15. Dezember 1256 an der Ruhr starb. Seine Leiche wurde nach Palermo übergeführt und dort bestattet. Sieben Kronen: die kaiserlich-römische, die königlich-deutsche, die eiserne der Lombarden, die von Burgund, Sizilien, Sardinien und Jerusalem hatten sein Haupt geziert, noch schöner aber war der Schmuk seines Geistes. Friedrich II. regierte 37 Jahre, sein Wahlspruch war: Sapientis est, cum maximé possit, nocere nolle. Das Interregnum oder die Kaiserlose Ieit. (Vom Tode Friedrich II. bis auf Rudolf von Habsburg.) Friedrich II. starb in einem Augenblike, als der Sieg des Pabstes über den Kaiser vollständig war; allein die weltliche Macht, die der kaiserliche Thron verlor, kam keineswegs ungetheilt in die Hände des Pabstes. Das Reich hatte mit dem Kaiser sein Haupt verloren, doch die Lebenskraft trat aus dem Haupte in die Glieder zurük. Es waren zwar jezt nur Fürsten mittelmäßigen Anse­hens, seit dem Untergange der Welfen und Hohenstaufen in Deutschland, deren einzige Tendenz aber Bestzerwei- terung und Arrondirung war. Die Schattenkaiser, die der 6*

Next

/
Thumbnails
Contents