Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)
66 Kaiserwürde bekleidet. Ein starker, männlicher Geist, gleich dessen seines Großvaters Heinrich III., regierte diesen Jüngling , der sich zwar die Herstellung des kaiserlichen Ansehens und die Ehrenrettung seines, in seinem Vater geschändeten Stammes vorgesetzt hatte; sein Ziel aber deshalb nicht erreichte, weil er das schändliche Mittel dazu wählte, seinen eignen greisen Vater herzlos unter die Erde zu treten, was seinen Charakter mit ewiger Schmach bedeken muß. Zur Strafe folgte ihm nur Unglük. Von Boleslaw, Herzoge von Polen, bei Hunds- feld 1109 geschlagen, zog ihn der Jnvestiturftreit 1110 nach Italien, wo Pabst Paschalis II. das Gebot Gregor VII. erneuert hatte, daß kein Laie, selbst nicht der Kaiser, die Investitur der Bischöfe ertheilen sollte. Heinrich nahm den Pabst mit allen Kardinälen gefangen, zwang ihn, der Investitur zu entsagen und ihn um 13. April llll als Kaiser zu krönen. Kaum aber war Heinrich wieder über die Alpen zurückgekehrt, so zwangen die Römer den Pabst, alles zu widerrufen, und den Kaiser in den Bann zu thun. Die Streitigkeiten im Reiche hielten ihn bis 1115 in Deutschland, dann zog er 1116 wieder nach Italien, um sich vom Banne zu befreien. Er vertrieb zwar den Pabst Gelastus II. und fegte einen neuen Pabst, Gregor VIII. ein, gegen diesen aber erhob sich Kalirt II. und Ihat den Kaiser abermals in den Bann. Indessen verheerten zahllose Fehden das Reich und Heinrich V. sah sich endlich gezwungen, nachzugeben. Er kehrte 1121 nach Deutschland zurück, und brachte durch Unterhandlungen einen allgemeinen Landfrieden zu Stande, der für eine Zeit alle Fehden endigte. Das Konkordat zu Worms, in welchem der Kaiser auf die Investitur völlig Verzicht leisten mußte, stellte 1122 dann auch den Frieden mit der Kirche wieder her. Die Zertrümmerung aller seiner Entwürfe und Vorsätze für die Herstellung der Kaisermacht senkte Heinrich V. in ein frühes Grab; er starb 1125 zu Utrecht im 19. Jahre seiner Regierung und ward im Dom zu Speyer in der Gruft seiner Väter beigesetzt.