Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)

65 Unte r Heinrich IV. Regierung hatte 1096 der erste Kreuzzug unter Gottfried von Bouillon und seinem Bru­der Balduin statt, und diese Kreuzzüge sind es, die in jener Zeit die Allmacht der Päbfte über die Häupter der Re­genten befestigten. Immer im Streite mit den Päbsten, wurde Heinrich auch immer wieder int Banne gehalten; um den Bann zu lösen, entschloß sich der alte Kaiser selbst in daS gelobte Land zu ziehen. Allein es kam nicht dazu, denn verführt durch seine Umgebung empörte sich auch sein Sohn Heinrich — Konrad war 1101 zu Florenz gestorben — gegen seinen Vater, nahm ihn am 25. Dezember 1105 zu Bingen gefangen, und er wurde von den Erzbischöfen von Mainz und Köln aller Neichsinsignien beraubt, nach Ingelheim gebracht und dort zur Abdankung gezwungen. Zu Mainz wurde sein Sohn Heinrich V. zum deutschen Könige ausgerufen, und sein Vater, der im Banne der Kirche blieb, sollte sein verlorenes Leben in Ingel­heim beschließen. Aber noch einmal erhob sich eine Par­tei für ihn in Köln; doch während des Kampfes um die Stadt Köln, die Heinrich V. belagerte, starb sein Vater am 7. August 1106 nach einer fünfzigjährigen, höchst bewegten Regierung, nachdem er seinem Sohne gänzlich verziehen, und ihm sein Letztes, seinen Ring und sein Schwert, überschikt hatte. Auf einer Insel in der Maas, als im Banne gestorben, beerdigt, wurde er erst 1111 vom Banne losgesprochen und feierlich im Kaiser­dome zu Speyer beigesetzt; in welchem, obwohl er ihn früher reich beschenkt hatte, der Bischof von Speyer ihm eine Pfründe versagt harte, um ruhig sterben zu können, zu einer Zeit, wo Heinrich seine Stiefel verkaufen mußte, um sich Brod zu verschaffeu. Heinrich IV. Wahlspruch war: Multi múlta sciunt, se autem nemo. 19. Heinrich V., jüngster Sohn Heinrich IV., den er vom Throne gestoßen, geboren am 11. August 1081, ward nach der Abdankung seines Vaters zu Mainz am 6. Ja­nuar 1106 als Kaiser mit den Insignien der deutschen 5

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