Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)

60 einer der tüchtigsten Kaiser, der je die deutsche Krone trug Schon am ersten Tage des Antritts seiner Würde zeigte er sich von königlichen Tugenden geziert, indem er alle jene begnadigte, ihnen verzieh, die ihn als Herzog von Franken beleidigt. Im Jahre 1026 erwählten Deutsch­lands Stände seinen 9jährigen Sohn Heinrich III. zu seinem Nachfolger, dann zog Konrad nach Italien, weil die Italiener nach Heinrich II Tode das Erbrecht der deutschen Kaiser auf Italien erloschen erklären wollten. Aber Pavia leistete ihm ein ganzes Jahr Widerstand, und in Ravenna, wohin er sich nach unverrichteter Sache zog, empörten sich die Bürger gegen ihn; doch an dem Wege nach Rom konnten die Italiener ihn nicht hindern, wo er sich nebst seiner Gemalin, der frommen und klugen Gisela, vom Pabste am 26. März 1027 krönen ließ, welcher feierliche Akt durch die Gegenwart zweier Könige: Rudolfs von Burgund und Kanuts dem Großen von Skandina­vien und England verherrlicht wurde. Unter Konrads Regierung erschien zuerst der Name Welf*), der mit jenem der Ghibellinen eine Zeit lang Epoche in der Ge­schichte von Deutschland und Italien macht. Im Jahre *) Ursprung des Namens Welf. Jsenbrand, Sohn eines Grafen Marin von Altorf, sah einst ein altes Weib, welches Drillinge geboren; er hielt dies für unnatürlich und schalt sie eine Ehebrecherin. Da bat diese im gerechten Zorn den Himmel, daß Jrmentraut, deS Grafen Gemalin, so viele Kinder als Monate im Jahre auf einmal gebären solle. Der Wunsch deS Weibes wurde erfüllt, und Jrmen­traut genaß von 12 Knaben Aber sie fürchtete den stren­gen Sinn ihres Gemals und befahl einer Dienerin, eilf von den Knaben in'S Wasser zu werfen. Unterwegs stieß diese Magd ans den Grafen, der sie fragte, was sie trage. „Welfen" (b. h. junge Hunde), erwiederte drS erschrockene Mädchen. Jsenbrand nahm aber daS Tuch vom Korbe, und da er "sah, daß alle Knaben so frisch und stark waren, hielt er ste für seine eigenen, ließ sie leben und heimlich erziehen, und führte sie dann, als sie ausgewachsen waren, der Mut­ter wieder zu. Seitdem erhielt dieß Geschlecht den Namen der Welfen.

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