Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)

146 Ans Höchste stch — tut Staatenungewitter, Weil sich die Masse dünkte als Gebieter, Die sonst ihr Glük in schaaler Ruhe fand, Die still und gut, wenn sicher sie geleitet, Bei freiem Werk stets nur zum Nied ern schreitet! Zu spät gewahrte man den frechen Trug, Sie achteten zu lange nicht der Wellen, Die schon der Sturm ans Staatenruder schlug — Die Männer mit den friedensvollen Seelen! — Und als nun auch der kühne Fund gelang. Nachdem die Larve sank vom Wolfsgesichte, Dann schimmerten die Herrn tut Doppellichte, Mitheulend in des Reiches Grabgesang; Sie lauschten den Beglükungstheorien, Ein schöner Wahn — dem Staate Utopien! O Austria, Du warst wohl schlecht bewacht, Und trugst betrübt die selbstgeformten Ketten; Die Söhne hatten Dich zum Fall gebracht, Die eignen Söhne sollten Dich nun retten; Die Waffe hielt ein fürchterlich Gericht, Du mußtest selbst der theuern Opfer bringen, Allein, wenn's gilt, das Hohe zu erringen, O dann, dann achtet man des Niedern nicht, Dann nüzet man das Werkzeug höh'rer Mächte, Und bietet Plaz der Ordnung und dem Rechte! — Ein schauerlich Gewölk, in seinem Schooß Die jezt noch ungewekten Blizesstammen, Zieht dort ein Heer, durch Treu und Kühnheit groß, Sich eilig vor den Mauern Wien's zusammen! Und es entrollen rings sich die Geschüze, Zur kaiserlichen Residenz gewandt, Ach! unerbittlich leuchten nun die Blize, Die Kugel schwirrt, aus allen Winden hergesandt, Und stürmend drängen vor die tiefen Massen, Die schon die Stadt von allen Seiten fassen!

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