Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)
147 Ihr achtet nicht den ängstlich Hilfewink Hoch oben auf des greifen ThurmeZ Spize? Laß ab, Verräther, von dem albern' Ding, Es ist dir nimmer, wahrlich nimmer nüze! Es deket dich, wie er die Sonne trübt, Der Rauch bereits versünk'ner Trümmer, Der schon in seinem brandgeklärten Schimmer Europen lehrt, daß 's noch ein Oeftreich gibt! — Da sank, den Stahl im Leib, des Aufruhrs Hyder: Das wakre Heer ward Retter Oestreichs wieder! — Nun faßt ein Volk den riesigen Entschluß, Des Herrschers Machtgebot sich zu entringen, Man reichet hoffend sich den Bruderkuß, Und in der Faust geschmiedet sind die Klingen, Wohl ist der Screiter Jeder sich bewußt, Daß über Berge nur von dampfend Leichen Sie ihren kühngefaßten Zwek erreichen, Doch stürzt er in die Reihn mit Kampfeslust; Gelöst sind nun des Friedens milde Bande, Und Aufruhr wühlt im weiten Ungarlande! Man schleifet sich den mörderischen Stahl, Ihn rächend in das Bruderherz zu stoßen, Weithin ertönt der rauhe Kriegesschall, Der stille Bürger wird zum Schlachtgenossen. Da rükt ihr waker vor zu neuer That, Es wissen bald die heldenmüth'gen Mannen An ihres Fußes Tritt den Sieg zu bannen, Der ihnen anfangs nicht gehuldigt hat. Bedrängt, zersprengt sind bald die Feinde alle: Das Heer ward Retter nun zum dritten Male! — Ihr habt in eurem Lager nichts geahnt Von jener trügerischen Freiheitslehre, Ihr dachtet nur an Recht und Vaterland, An Waffengröße und Soldatenehre! Ihr horchtet willig nur des Führers Ruf, 10*