Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)

138 Unter den Fürsten, die zu Venedig den Bund 1495 gegen Karl VIII. schlossen, war, wie wir sahen, auch Fer­dinand, König von Arragonien und Sizilien; dieser war mit der Königin Jsabella von Castilien verheiratet; ihre Familie bestand aus dem Kronprinzen Johann und einer zweiten, unverheirateten Tochter JsabeUa. Am 21. Oktober 1496 wurde die Prinzessin Johanna mit dem Sohne des Kaisers, Erzherzog Philipp von Oesterreich, und am 4. April 1497 der spanische Kronprinz mit der Erzher­zogin Margarethe verbunden. Eine Reihe außerordentli­cher Zufälle brachte in kurzer Zeit das Erbrecht auf die ganze spanische Monarchie an jenen österreichischen Prin­zen. Es starb nämlich der Kronprinz Johann schon am 4. Oktober 1497 ohne Kinder; auch dessen älteste Schwe­ster, die Königin Jsabella von Portugal, und ihr einzi­ger Sohn Michael, folgten ihm kurz nachher ins Grab. Und so waren im Jahre 1500 die Erzherzogin Johanna und ihr Gemal Philipp die einzigen Erben der Reiche Arragonien und Castilien. Da der Reichstag zu Worms in Bezug auf die äußern Angelegenheiten des Reichs ohne Erfolg gewesen war, jener zu Lindau, unter dem Vorsitze des Erzherzogs Phi­lipp, eben kein anderes Resultat gab, so schrieb der Kai­ser einen dritten nach Worms int April, und endlich mit Ende Oktober einen vierten nach Freiburg aus. Auf dem lezten erschien der Kaiser in Person und verlangte des Reiches Hilfe gegen Frankreich, das die Aussteuer der Erzherzogin Margarethe nicht herausgeben wollte. Karl VIII. starb am 7. April 1498, sein Nachfolger Ludwig XII., früher Herzog von Orleans, beharrte im nämlichen Sinn. Die Stände bewilligten, den Kaiser mit Geld und Trup­pen zu unterstüzen. Ludwig XII. hatte große Pläne auf Italien, um nun die anderen Grenzen seines Reiches früher sicher zu stellen, schloß er mit dem Erzherzog Philipp am 2. August 1498 einen Vergleich, durch welchen dieser meh­rere Städte erhielt, die gänzliche Entscheidung über die Ansprüche Philipps, besonders jener auf Burgund, wurde

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