Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)
137 Mailand int Frühjahre 1495 in Venedig zusammen; sie schlossen mit dieser Republik am 31. März einen Bund auf 25 Jahre, dessen Hauptbedingungen waren, die Christenheit gegen die Türkei zu schüzen, Italien zu vertheidi- gen, und ihre eigenen Staaten zu schüzen, wozu ein Bun- deSbeer von 34,000 Reitern und 20,000 Fußknechten sollte gebildet werden. König Karl, durch die Rüstungen in der Lombardié beunruhigt sür seinen Rückweg nach Frankreich, verließ am 20. Mai Neapel, rükte am I. Juni in Rom ein, von wo der Pabst sich nach Orvieto begeben hatte, am 3. Juni verließ er Rom wieder, zog gegen Genua und hoffte dort auf Beistand; allein die dahin geschikte Abtheilung wurde geschlagen Der König zog weiter gegen Usti, wurde am 6. Juli von den Alliirten auf dem Marsche nach Mordesana angegriffen, und wenn es ihm auch gelang sich nach Usti durchzuschlagen, so erreichte er diesen Ort doch nur am 15. Juli mit dem Verluste vieler Gefangenen, dem größten Theile seines Geschüzes und Ge- päkes; Karl hatte jezt die Luft zum Kriege verloren, begann zu Vercelli Unterhandlungen, am 22. Oktober verließ er Turin und fegte seinen Zug über die Alpen fort; in Lyon erhielt er die Nachricht, daß seine in Neapel gelassenen Truppen in der größten Gefahr seien; wirklich waren sie auch bis zum Juli gänzlich aus Neapel vertrieben. Auf dem Reichstage zu Worms, der am 26. März 1495 eröffnet wurde, ward das Faustrecht in Deutschland aufgehoben, und der ewige Landfrieden durch ein kaiserliches Edikt vom 7. August 1495 zu halten geboten, unter dem nämlichen Tage das neu errichtete Reichskammer- gericht eingesezt. dessen Vorsteher und Beistzer ernannt, und als Siz Frankfurt a. M. bestimmt; die Erhebung des gemeinen Pfennigs wurde angeordnet Bei dieser Gelegenheit war es, daß der französische Ritter Claud de Barre zu Worms erschien, durch einen Herold alle Deutschen zum Kampfe aussordern ließ, und vom Kaiser Marimilian niedergeworsen und gezwungen wurde, sich gefangen zu geben.