Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)

135 Blüte ihres Alters. Der Tod dieser schönen Frau war die Losung allgemeiner Empörung, durch Ludwig XI. angeregt und unterstüzt. Maren wurde von den Ständen die Vormundschaft und die Landesregierung streitig gemacht. Um die Empörer zu Paaren treiben zu Tonnen, schloß Mar mit Ludwig 1482 den Frieden zu Arras; er bän­digte nun die ©enter und hielt dort einen festlichen Ein­zug; allein bald entstand wieder ein Aufruhr, der nur durch die Hinrichtung von acht Rädelsführern gestillt wurde. Je zt zog Mar 1488 nach Brügge, wo der Wider­wille gegen den Habsburger noch lichter brannte; hier entwaffneten die Bürger seine Söloner, Mar wurde mit all seinen Räthen gefangen und in der Burg einge- sperrt. Kaiser Friedrich IV., sobald er die entsezliche Nach­richt erhielt, rief das ganze Reich auf, seinen Sohn, der am 16. Februar I486 in Frankfurt zum römischen Kö­nig war gewählt worden, zu befreien. Das bald versam­melte Reichsheer schlug alles vor sich nieder. Den ersten Zunftmeister von Gent ließ der Kaiser an seine Thüre nageln, mit der Drohung, daß Allen so geschehen solle, die den römischen König gefangen hätten. Allch die von Brügge wurden geschlagen, da erschraken sie und lie­ßen ihren königlichen Gefangenen frei, gegen das Ver­sprechen, sich nicht zu rächen und ihre Freiheiten nicht anzutasten. Allein Friedrich erkannte den Vertrag nicht an. Frankreich schikte den Flammändern Hilfe, aber die Kaiserlichen siegten überall. Mar, der nicht gegen sein Versprechen handeln wollte, ging nach Tirol, welches er 1489 von seinem Onkel Sigismund erworben hatte, wo er mit ungeheurem Jubel empfangen wurde. Was sich mit Mar von diesem Zeitpunkte bis zum Tode des Kai­sers, seines Vaters zutrug, haben wir in dem vorherge­henden Artikel gesehen, wir erwähnen nur noch, daß in dem Vertrag zu Arras Marens Tochter Margarethe dem Dauphin Karl, dem Sohne Ludwigs, verlobt, und in Folge dessen an Frankreich zur Erziehung übergeben wurde. Ebenso mußte Mar es sich 1491 gefallen lassen, daß Kö-

Next

/
Thumbnails
Contents