Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)

134 lichen Vaters. Er machte sich sieben Sprachen eigen, die er mit Geläufigkeit redete, und war ein großer Ver­ehrer der Künste und Wissenschaften; dabei verlor er jedoch die Zeit nicht zu größern und wichtigern Dingen. Im Jahre 1477 vermählte sich Mar mit Maria von Burgund, der Erbtochter des Herzogs Karl des Kühnen, wodurch Oesterreich zwar einen reichen Länderbezirk erwarb, aber auch die Eifersucht seiner Feinde erregte, besonders Ludwigs XI., Königs von Frankreich, der schon lange sein Auge auf diese schöne Erbschaft geworfen und seinem Sohne, dem Dauphin Karl, Mariens Hand verschaffen wollte. Mar hatte seine Braut schon früher im Oktober 1473 in Trier kennen gelernt, wo Kaiser Friedrich in einer Zusammenkunft mit Karl die erste Anwerbung um Mariens Hand machte, die sich jedoch durch Ludwigs XI. Hinterlist zerschlug; Mar hatte Marien sehr gefallen und sie liebte ihn heimlich; als nun nach ihres Vaters Tode die kaiserliche Gesandtschaft mit der Werbung um ihre Hand in Gent erschien, erklärte sie den Ständen, daß sie bereits Brief und Ring mit Mar gewechselt, und die Heirat wurde beschlossen. Dieser eilte jezt herbei und ritt auf einem braunen Hengst in silberner vergoldeter Rüstung, ohne Helm, das lange blonde Haar mit einem Kranz von Perlen und Juwelen bedekt, in Gent ein. Maria ging ihm entgegen, und als sie zusammentrafen, Mar vom Pferde sprang, knieten sie beide auf offener Straße nieder und umarmten sich, und Maria sagte: „Willkommen sei mir, du edles deutsches Blut, das ich so lange verlangt und nun mit Freuden bei mir sehe." Allein die so glüllich begonnene Ehe nahm einen unglüklichen AuSgang. Maria hatte ihrem Mar einen Sohn Philipp, später König von Spanien, und eine Tochter Margaretha geboren, und war zum dritten Mal in der Hoffnung, als sie bei einer Reiherjagd vom Pferde stürzte und vom Huf desselben heftig an den Leib geschlagen wurde. Sie verhehlte es aus Schamhaftigkeit, bis ärztliche Hilfe zu spät war, und so starb sie in der

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