Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)

128 Folge davon war, daß die böhmischen und mährischen Ritter, Anhänger des Königs Mathias, in das nördliche Oesterreich eindrangen und große Verwüstungen anrich­teten, ohne daß weder der Kaiser noch Wladislaus die Mittel hatten diesem Unwesen zu steuern. Endlich wurde am 8. Dezember 1474 ein Waffenstillstand auf 3 Jahre geschlossen. Ani 12. Juni 1477 erklärte Mathias dem Kaiser von Raab aus wieder den Krieg; am 24. Juni belehnte ver Kaiser den König Wladislaus mit Böhmen, mit der Churwürde und deni Erzschenkenamte des deutschen Reiches; allein Mathias rükte mit 17000 Mann und vielem Geschüze in Oesterreich ein, int Lause eines Monats eroberte er zweiundsiebenzig Städte und Schlösser; der Kaiser hatte sich, da Wien am 14. August schon von allen Seiten eingeschlossen war, zuerst nach Krems, dann nach Linz, endlich nach Gmunden zurükgezogen, die Wiener hielten sich tapfer, ungeachtet des Mangels an Lebens­mitteln. Indessen hatten die Türken die Zwistigkeiten der abendländischen Völker benüzt, und machten Streif;üge nach Steiermark und Ungarn bis Raab; dieß belehrte die Monarchen sich zu einigen, es kam zu einem Waffenstill­stand, und am 1. Dezember ward der Friede zwischen dem Kaiser und Mathias geschlossen, in welchem beide einander Hilfe gegen die Türken zusagten. Ueber die Einfälle der Türken nach Oesterreich herrschte zwar im Reiche großer Schreken, aber dennoch konnten die Stände auf mehr als 10 Versammlungen zu keinem Ent­schlüsse kommen. Den Zustand des Reiches schildert uns am besten Aeneas Sylvius, der Geschichtsschreiber Kai­ser Friedrichs IV.; er sagt: „Ein Grund des Sinkens Deutschlands ist die Vielheit der Fürsten. Dem Kaiser gehorchen sie nur, wenn sie wollen, aber sie wollen gar nicht. Alle wollen Souverain sein, keiner will dem Kai­ser geben, was des Kaisers ist, jeder sorgt nur für sich selbst. Daher die häufigen Fehden, die unaufhörlichen Kriege, Raub, Mord, Brand und tausend Hebel. Denn wer selbst nicht gehorchen will, kann nicht über Andere

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