Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)
129 herrschen." Im Jahre 1475 brach der Krieg der deutschen Fürsten und der Schweizer Eidgenossenschaft gegen Karl dem Kühnen, Herzog von Burgund, aus; obschon der Kaiser mit einem Heere von 80,000 Mann gegen Nuys gezogen war, welches seit eilfMonaten belagert, fünf und fünfzig Mal bestürmt wurde, undKarln 15,000 Mann gekostet hatte, kam es zu nichts Ernstlichem. Der Herzog zog sich unverrichteter Sache in seine Grenzen zurük. Am 25 Mai wurde ein Waffenstillstand und am 17. Juni der Friedensvertrag unterzeichnet. Zwischen Friedrich und Karl wurde ein ewiges Freundschaftsbündniß geschlossen, welches von lezterm am 31. Januar, und der Heiratsvertrag zwischen seiner einzigen Tochter und Erbin Marie und dem Erzherzog Marimilian, ältestem Sohne des Kaisers, der schon vor dem Kriege in Antrag gebracht worden war, am 6. Mai 1476 bestätigt. Obschon die Eidgenossen und der Herzog Reue von Lothringen, dem Karl sein Erbland genommen, mit im Bündnisse des Kaisers und der Fürsten gegen Karl gestanden, waren sie doch im Frieden mit ihm nicht eingeschlossen; der Krieg dauerte fort, und das Ende war, daß die Eidgenossen Sieger blieben, und Karl der Kühne, am 5. Januar vollkommen geschlagen, im Handgemenge sein unruhvolles Leben im vierundvierzigsten Jahre vor Nancy endete. Seine Tochter Marie hatte in diesem Augenblike einen harten Stand; die Blüte ihres Adels war in den lezten Schlachten gefallen, die Finanzen erschöpft, ein Theil ihrer Unterthanen, besonders die Genter, zur Empörung gereizt; am fürchterlichsten fürste war aber Ludwig Xi., König von Frankreich, dessen Hauptaugenmerk schon lange die Erwerbung von Burgund war. Endlich machte eine kaiserliche Gesandtschaft ihren Bedrängnissen ein Ende, welche bei den Ständen in Friedrichs Namen um die Hand der Prinzessin Marie für den Erzherzog Marimilian warb. Marie hatte schon einst auf Befehl ihres Vaters dem Erzherzoge sehr gerne einen Ring ge- schikt, und nahm jezt keinen Anstand, das frühere Ver-