Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)
127 bem das Kreuz gegen Georg predigen lassen. Es entstand hieraus ein allgemeiner Krieg gegen Böhmen, und König Mathias, dem der Pabst die Herrschaft über Böhmen, Mähren und Schlesien zugesichert hatte, ließ sich durch das Zureden des Kaisers wie des Pabstes bewegen, die Vollziehung des Kirchenbannes gegen König Georg zu übernehmen. Wir übergehen die Einzelheiten dieser Angelegenheit, die durch den Tod König Georgs, der am 22. März 1471 an der Wassersucht starb, ihr Ende erreichte. Jezt war die Frage, wer König von Böhmen werden sollte; um diese Krone gab es mehrere Bewerber. Der Kaiser berief sich auf die Rechte, welche alte so oft wiederholte Erbeinigungen dem Hause Oesterreich versichert hatten; der König Ludwig XI. von Frankreich, der Herzog Albrecht von Sachsen, der Herzog Ludwig von Baiern, dann Georgs jüngerer Sohn Heinrich bewarben sich um die Stimmen der Stände. Die Stände wählten aber den fünfzehnjährigen Enkel Kaiser Albrechts II , den polnischen Prinzen Wladislav, zum Könige. Indessen hatte der Pabst im Januar 1471 dem Könige Mathias ein Breve überschikt, welches die von den Ständen Böhmens, Mährens und Schlesiens bei Lebzeiten Georgs durch den Bischof von Olmüz ihm angetragene Königswürde bestätigte. Mathias machte am 28. Mai 1471 zu Jglau dieses Breve bekannt und drang verheerend über Böhmens Grenze, fand aber starken Widerstand, so daß er sich nach Mähren zurükziehen mußte. In Ungarn war eine Verschwörung im Werke, Mathias des ungarischen Thrones zu berauben, seine unerwartete Ankunft schüchterte die Mißvergnügten ein, sie stohen oder ver- stekten sich; jezt kam es zum Kriege um die böhmische Krone zwischen Mathias und den Polen. Indessen war Wladislav auf dem deutschen Konvente zu Nürnberg 1474 als König von Böhmen und Churfürft durch Kaiser und Reich anerkannt, zugleich ein Bündniß mit dem Könige von Polen geschlossen worden, und Kaiser Friedrich hatte am 5. Julius zu Augsburg dieses Bündniß bestätigt. Die