Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)
117 Kaiser betrieb jezt auf dem Reichstage zu Regensburg die Reichshilfe gegen die Hussiten, wo man zum ersten Male beschloß, Söldner zu werben, wovon aber erst im Jahre 1428 ein Heer zu Stande kam. Wir können hier nicht in die Einzelnheiten des Hus- sttenkrieges eingehen, der erst int Jahre 1435 nach der Entscheidungsschlacht am 28. Mai i 434 bei Hrzibi oder Lipoan, vier Meilen von Prag, sein Ende fand, in dem sich Gräuel auf Gräuel häuften, und in dem man sich von der einen wie von der andern Seite an Grausamkeit und Unmenschlichkeit überbot. Wir führen nur an, daß Zizka 1424 im Oktober an der Pest starb, die ihm nachgefolgten Feldherren, die beiden Prokope, in der Schlacht bei Lippan blieben, und die Ruhe in Böhmen durch den Vertrag von Prag vom Jabre 1435, den des Kaisers kluger Kanzler Kaspar Schlik mit den Ständen abgeschlossen hatte, insoweit hergestellt wurde, daß Kaiser Sigismund, der sich im Jahre 1433 am 31. Mai in Rom hatte krönen lassen, mit großem Gepränge seinen Einzug in Prag hatte halten können. In dem Vertrage war Sigismund als König von Böhmen anerkannt, Böhmen vom päpstlichen Banne befreit, und der hussitische Gottesdienst dergestalt dem katholischen übergeordnet, daß Sigismund sogar an seinem Hofe utraquistische Prediger halten sollte. Im Jahre 1437 am 9. Dezember überraschte den Kaiser auf einer Reise nach Wien zu Znaim in Mähren in seinem 67. Jahre, int 37. seiner Regierung der Tod stzend im kaiserlichen Senate als „Herr der Welt." wie er selbstgefällig rühmte, und ward zu Großwardein begraben. Sigismund hatte 51 Jahre über Ungarn, 27 über Deutschland, 17 Jahre über Böhmen regiert und 5 Jahre den Titel eines römischen Kaisers geführt. Als Herrscher über halb Europa war er in zahllose Staatshändel und nie endende Kriege verwikelt, betrachtet man aber seinen ganzen Lebenslauf, so zeigt sich, daß er keine Festigkeit des Charakters besaß, und daß er in der Gnade