Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)

118 wie int Zorne immer den Mittelweg verfehlte. Der Klugheit des Kanzlers Kaspar Schlik gelang es, dem Herzoge Al­brecht bei dieser Gelegenheit die Thronfolge in Böhmen zu sichern, wogegen er den Utraquisten die Religions­freiheit sichern mußte. Kaiser Sigismunds Wahlspruch war: Sic eedunt numera fatis. 35. Albrecht II., Herzog von Oesterceich^ König von Ungarn und Böhmen, harte diese beiden Kronen, so wie fen Besitz von Schlesien, Mäh­ren und der Lausitz, durch seine Gemalin Elisabeth, Toch­ter Kaiser Sigismunds, ererbt, und ward nach dessen Tode 1438 zum römisch-deutschen Kaiser gewählt, ohne jedoch je als solcher gekrönt zu werden. Albrecht war ein sehr ansehnlicher Herr, groß, stark, ernst, enthaltsam und von großer Frömmigkeit. Beim Antritte seiner Regierung gab er seinen guten Willen, für das Beste des Reiches zu sorgen, dadurch bekannt, daß er in dem Reichstage zu Nürnberg i 438 eine neue Lanofriedensordnung feftsezte;. mit Ausnahme der kaiserlichen und kurfürstlichen Erb­lande wurden alle übrigen Reichsländer in vier Kreise eingetheilt, nämlich in den fränkisch-baierischen, rheinisch­schwäbischen, westphälisch-niederländischen und sächsischen. Kreis, deren Glieder sich zur Aufrechthaliung des Frie­dens verbanden. Indessen fand Albrecht in den neuer­worbenen Ländern viel zu thun. Albrecht hatte als treuep Anhänger der katholischen Lehre und des Pabftes in sei­nen Staaten keine Kezerei geduldet; deshalb konnte Al- brechts schlauem Unterhändler Kaspar Schlik die Beschwich­tigung der Böhmen nur halb gelingen. Die Utraquisten wählten Casimir. Bruder Wlavislaws Königs von Po­len, zum Könige, und am nämlichen Tage, den 6. Mai 1438, erhob die katholische Partei durch einstimmige Wahl den römischen König Albrecht II. auf den Thron. Unter Anführung des Ptaczek von Rattay verschanzten sich die Utraquisten auf Tabor; Kaiser Albrecht eilte mit einem Truppenkorps nach Böhmen, zu ihm stießen Hülfs-

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