Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)

112 Kaiser Karl IV., geboren den 14. Februar 1368, zum Könige von Ungarn gekrönt zu Stuhlweißenburg am 31. März 1387, der mächtigste, auch wohl schlaueste Fürst seiner an großen Fürsten auffallend armen Zeit. Bei der Wahl gestatteten die andern Kurfürsten ihm seiner könig­lichen Würde wegen, den Vorrang, zuerst seine Stimme abzugeben; er benüzte diesen Umstand, diese sich selbst zu geben. Sigismund kündigte sich schon bei dieser Ge­legenheit an, so wie er war, eitel, prahlerisch, viel unternehmend, doch wie sich später zeigte, ohne nachhal­tige Kraft. Seine Stimme bei der Kaiserwahl gab er sich mit folgenden Worten: „Es gibt keinen Fürsten im Reich, den ich besser kenne, als mich selbst. Auch über­trifft mich Niemand an Macht, noch in der durch Glük und Unglük geprüften Regierungskunst. Sonach gebe ich Kurfürst von Brandenburg, dem König Sigmund in Ungarn meine Stimme und will mich hiemit selber zum Kaiser gewählt haben, und — die Kurfürsten stimmten ihm zu, und so wurde er am 21. Juli 1411 zum römi­schen Könige gewählt, aber erst am 8. November 1414 zu Aachen gekrönt. Er vereinigte viele Eigenschaften seiner Verwandten zugleich in sich; er war verschlagen wie Karl IV., leichtsinnig wie Johann und sinnlich wie sein Bruder Wenzel, nur daß er ausschließlich der Venus jener dem Bachus huldigte. Bei viel Schönheit, Bered­samkeit und Thätigkeit, besaß er doch keine rechte Kraft, und nicht einmal Ueberlegung. Seine Politik war immer nur auf den Augenblik berechnet, und um sich für die nächste Stunde einen kleinen Vortheil zu sichern, gab er große Vortheile für alle Zukunft aus. Er zeigte gleich anfangs als Kaiser einen löblichen Eifer für Reich und Kirche. Die Türken drangen zum Glük nicht weiter in Ungarn vor, und Ladislaus von Neapel, der ihm die Krone von Ungarn streitig machen wollte, starb; um aber auch die Pohlen als unruhige Nachbarn zu beschwichtigen, trat ihnen Sigismund die Zipfer Städte ab, ohne zu bedenken, wie tief er dadurch

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