Hirtenfeld's Oesterreichischer Militär-Kalender 1856 (Wien, 1856)
101 fürsten gütig vorgenommen werden könne; er brachte dabei die Fürsten zu dem bestimmten Beschlüsse: daß der deutsche Kaiser die höchste Gewalt auf Erden, und zwar nur durch die Wahl der deutschen Fürsten haben solle, ohne dazu der Krönung oder der Bestätigung des Pab- steS zu bedürfen. War Philipp von Frankreich bisher der größte Widersacher Ludwigs gewesen, so suchte dieser jezt ein Vündniß mit demselben, um dem Könige Johann in seinen Plänen auf Italien entgegen zu arbeiten; nachdem er früher mit König Eduard von England ein Bündniß gegen Frankreich geschlossen, und ihm Hilfstruppen versprochen hatte; sandte er nun wirklich 1339 seinen Sohn Ludwig gegen die Engländer. Diese Treulosigkeit erregte eine allgemeine Erbitterung gegen Ludwig, und er sank tief in der össentlichen Meinung. Der Kaiser unterhandelte jezt auf das eifrigste nttt dein neuen Pabste Clemens VI., der ihm aber mit dem bittersten Hohne begegnete, und troz aller Demüthigungen und troz dem, daß der Kaiser alle seine frühern Handlungen gegen die Päpste widerrief, dennoch immer mehr von ihm verlangte. Nicht genug au dem, der Pabst und Frankreich int Verein mit Johann, König voa Böhmen, und Albrecht von Habsburg trieben die Kurfürsten dahin, daß ste im Jahre 1346 in demselben Rhense zusammentraten, wo ste kurz vorher den Kaiser so kräftig in seinem Benehmen gegen den Pabst unterstüzt hatten. Jezt, ohne daß irgend ein Grund vorlag, ganz allein aus Nachgiebigkeit gegen den Pabst und den blinden Johann von Luxemburg, sezten sie den alten ermüdeten Kaiser am 11. Juli ab und wählten Johanns Sohn Karl zum Kaiser. Bei diesem Feste des Meineids stel die große Reichsfahne in den Rhein und wurde nimmer gefunden. Der alte wakere Kaiser zog sich nach München zurük und staib 1347 bei Fürsten- felv auf einer Bärenjagd in den Armen eines Bauers, und Karl wurde beschuldigt, daß er ihn habe vergiften lassen; zu München wurde er bestaltet. Der Wahlspruch