Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 15. (1962)

MISKOLCZY, Julius: Das Institut für ungarische Geschichtsforschung in Wien und seine Publikationen

588 Literaturberichte zu geben“ (Jahresbericht von 1937/38). Kaum einige Wochen nach der Übernahme der Leitung arbeitete ich ein zwar provisorisches, aber immerhin ausgiebiges Arbeitsprogramm für die Forschungen aus, mit Rücksichtnahme sowohl auf ihren organischen Aufbau als auch auf die durch die Bestände der Wiener großen Zentralarchive gebotenen For­schungsmöglichkeiten. Dieses Notprogramm, das schon im Bewußtsein dessen ausgearbeitet wurde, daß die Forschungen der Fontes-Veröffent- lichungen vorläufig nicht mehr erscheinen konnten, hatte keinen sicht­baren Erfolg. Das Studienjahr 1937/38 war ungefähr das letzte, in dem junge For­scher noch mit einem gewissen Erfolg arbeiteten. Nachher kam der sichtbare Rückgang. Die Gründe waren verschiedener Natur. Mit dem Aufhören der Selbständigkeit Österreichs verschwanden auch zahl­reiche Vorbedingungen der störungsfreien Arbeit. Gleichzeitig zeigte sich aber auch in Ungarn eine ungünstige Richtung in der Entwicklung. Der Schein einer falschen materiellen Konjunktur zog die Jugend von der wissenschaftlichen Betätigung ab und nahm ihr die Lust zur Vertiefung in die Forschungsarbeit. Auch alte Organisationsfehler rächten sich. Im Studienjahr 1939/40 gab es keinen einzigen Stipendiaten, der sich durch ein ganzes Studienjahr der archivalischen Forschung gewidmet hätte. Man braucht kein Fachmann zu sein, um die Wertlosigkeit von Arbeiten auf kurze Sicht, vom Standpunkte eines Forschungsinstitutes aus be­trachtet, richtig beurteilen zu können. Von dieser Zeit an fristete das Institut ein kümmerliches Dasein. Erst im Studienjahr 1946/47 erschienen, wenn auch leider nur für kurze Zeit, einige reife, ausgezeichnete For­scher, die sich der Forschungsarbeit mit dem alten Arbeitsrhythmus und der traditionellen Vertiefung widmeten. Der Zweck dieser Studie vor allem ist, über das Leben des Instituts eine Rückschau zu halten. Die Berichte der im Ausland tätigen wissen­schaftlichen Institute sind mit den Namen der Stipendiaten, der Gäste und ihres Forschungsgebietes im Druck erschienen. Es ist also über­flüssig, hier in aller Kürze darüber zu berichten. Wohl aber scheint es notwendig zu sein, einen Blick auf die Fragen zu werfen, die im Rahmen des Institutes bearbeitet wurden, um fest­stellen zu können, wie weit seine Arbeit der Geschichtswissenschaft zugute kam. Dabei beabsichtige ich nur die wichtigsten Fragen anzufüh­ren, da auch so eine erdrückende Fülle der Arbeiten beweisen wird, daß die Tätigkeit des Wiener Forschungsinstituts in der ungarischen Wissen­schaft eine vorzügliche Bedeutung besitzt. Auf dem Gebiete der politischen Geschichte möchte ich vor allem die großen, in den Fontes erschienenen Werke des Á. v. Károlyi anführen: Széchenyi István döblingi irodalmi hagyatéka (Der literarische Nachlaß des St. Sz.), der dritte Band hgg. von V. Tolnai (1921—24) ; Német- újvári gróf Batthyány Lajos első magyar miniszterelnök főbenjáró pőre (Der Kapitalprozeß des L. B. v. N., des ersten ungarischen Minister­präsidenten) (1932); Az 1848 — iki pozsonyi törvénycikkek az udvar előtt (Die Preßburger Gesetzartikel v. 1848 vor dem Hofe) (1936). In den Fontes erschienene erschöpfende Werke sind noch: St. Hajnal, A Kossuth

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