Tárnoki Judit szerk.: Tisicum - A Jász-Nagykun-Szolnok Megyei Múzeumok Évkönyve 19. (2009)

Régészettudomány - V. Szabó Gábor - Egy hiányzó láncszem… Adatok egy új késő bronzkori szitulatípus kapcsolatrendszeréhez

I Tisicum XIX. Gábor V. SZA BÓ Ein fehlendes bindeglied... Daten zum Verbindungssystem eines neuen spätbronzezeitlichen Situlentyps Resümee In diesem Aufsatz geht es um die Präsentation und Analy­se eines spätbronzezeitlichen Bronzegefäßes, dessen Exis­tenz nur durch ein Foto bezeugt ist (Abb. 1-2). Man kennt weder den genauen Fundort und die Fundumstände, noch sind der heutige Besitzer und der Aufbewahrungsort des Ge­fäßes gesichert. Seine Präsentation und Analyse ist trotz der unklaren Daten darin begründet, dass das Gefäß als absolut einzigartig an­gesehen werden kann, wenn man seinen Zustand und seine Form- und Verzierungsmerkmale betrachtet. Es gibt nur eine einzige Analogie (Abb. 3, 4). Stücke mit ähnlicher Form sind bereits gefunden worden und bilden eine gut abgrenzbare Gruppe der bronzezeitlichen Metallurgie, aber die Motive, die das Gefäß verzieren - symbolische Darstellungen von Vogel­köpfen und Sonnenscheiben, gut bekannt von anderen Gefäß­formen - traten bisher auf solcher Gefäßform noch nie auf. Von dem Gefäß haben wir 2007 durch ein Internetforum zum Thema Metallsuchgeräte erfahren. Während eines Nachrichtenwechsels mit Teilnehmern eines Forums über den Gebrauch von Tiefensonden sind mit einer Person in Kontakt gekommen, die sich der illegalen Metallsuche wid­mete. Die Person, die ihren richtigen Namen geheim hielt, hat von einer slowakischen Internetadresse aus zwei Fotos als Beispiele dafür geschickt, auf welche bronzezeitlichen Gegenstände man in ihrer Region bzw. in Ungarn mit ent­sprechenden Geräten stoßen kann. Auf dem einen Foto stell­te sie eine von ihr entdeckte Fundgruppe vor, die vermutlich in die Rei.Bz.B1 Periode datiert werden kann, auf dem an­deren Foto die hier veröffentlichte bronzene Situla (Abb. 1). Über den Herkunftsort des Gefäßes hat der Absender nur mitgeteilt, dass nicht er selbst, sondern seine ungarischen Metallsucher-Bekannten das Gefäß irgendwo in der Umge­bung von Hajdúság gefunden hatten, an einem Fundort, in dessen Nähe sich eine Apotheke befand. Der Dateiname des Fotos, das per Email geschickt wurde, lautete „Mike. 01", deshalb vermuteten wir, dass der Fund aus der Umgebung von Mikepércs nahe Debrecen stammte. Auf unsere späte­ren Emails bekamen wir leider keine Antworten mehr. Außer den mitgeteilten Daten haben wir keinerlei Informa­tionen über das weitere Schicksal des Gefäßes. Man kann nur hoffen, dass es mit der Zeit an einen würdigen Platz in der Sammlung eines ungarischen Museums zurück gelangt. Die naheste Analogie unseres Gefäßes kann man in einer Situla ähnlichen Schicksals entdecken, die - mit unsicherem Herkunftsort - auf dem internationalen Markt auftauchte (Abb. 3). Das mit Vogelköpfen und Sonnenscheibe verzierte bron­zene Gefäß wurde am 14. November 2001 in ausgezeichne­tem Zustand zusammen mit 10 bronzenen Bechern im Aukti­onskatalog des Wiener Dorotheums vorgestellt. 2007 traten die reichhaltig verzierte bronzene Situla und die bronzenen Becher das erste Mal in der archäologischen Fachliteratur auf. Die Bronzegefäße aus der Wiener Auktion wurden von J. Bártik bei der Veröffentlichung des spätbronzezeitlichen Ma­terials einer slowakischen Privatsammlung beschrieben und kurz analysiert. Die bronzenen Gefäße der Privatsammlung sowie das zur Auktion gegebene Fundensemble konnten sei­ner Meinung nach aus der spätbronzezeitlichen befestigten Siedlung Abos/Obisovce stammen. An diesem Fundort wur­de bereits ein schon fast legendärer Schatzfund geborgen, der 60 bronzene Gefäße und Goldgegenstände beinhalten soll. Die beiden vorgestellten Fundmaterialien könnten nach dem Autor Teile dieses Schatzfundes sein. Die zwei beschriebenen Bronzegefäße (Abb.1-3) zeigen eine eigenartige Mischung der spätbronzezeitlichen Situla­Typen von Kurd und Hajdúböszörmény sowie der früheisen­zeitlichen Situla-Typen von Kurd, die aus dem ostalpischen Gebiet bekannt sind. Seine Form, die Figurverhältnisse und die Henkelgestal­tung bringen es mit den Hosszúpályi-Varianten der Situlen von Kurd in Verbindung (Abb. 5), zeitlich wird es dadurch in die HaA2-HaB1 Periode eingefügt. Beispiele einer vierhenkeligen Ausführung bei Gefäßen mit ähnlicher Form kennt man nur von den ostalpischen Fund­orten der Hallstatt-Kultur aus den HaC bzw. HaD1 Perioden (Abb. 6. 2-3). Die Lösung mit den abgerundeten, breiter gelassenen Henkelenden ist ebenfalls für die Situlen der HaA2-HaB1 Pe­rioden typisch. Der Gebrauch der bronzenen Ringe, die auf die Henkel auf­gezogen sind, umfasst sowohl räumlich als auch zeitlich ein breites Intervall: er ist genauso typisch für die Situlen von Hosszúpályi aus den spätbronzezeitlichen HaA2-HaB1 Perio­den wie für die Situlenformen von Marosvécs/Brâncoveneçti (Abb. 6.1), die Tudor Soroceanu in die HaB2-3 und HaC Pe­rioden datiert hat, als auch für die eisenzeitlichen Situlenfor­men der ostalpischen Region (Abb. 6. 2-3). Die Niete mit kegelförmigem Kopf, die für die Befestigung der Henkel verwendet wurden, sowie die sog. „Vogel-Son­| 292

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